FC Schalke 04 – Vereinsgeschichte   

1904 bis 1933


4. Mai 1904 - "Jau, ick dau dat!" Mit diesen Worten wird Heinrich Hilgert, Wiegemeister auf der Zeche Consol, erster Vorsitzender des "Sportclub Westfalia 1904 Schalke". Die fußballverrückten Jungen, die sich um ihren Anführer Willi Gies in einer Gaststätte im Gelsenkirchener Vorort Schalke versammelt haben, können nicht ahnen, dass sie an jenem Tag einen Verein gründen, der später als FC Schalke 04 für Furore sorgen wird. Der neue Club wird in den nächsten Jahren aber nicht in den Westdeutschen Spielverband aufgenommen.

13. Februar 1912 - Anschluss an den "Turnverein 1877 Schalke", der dem Westdeutschen Spielverband bereits angehörte.

5. Januar 1924 - Die Turner und Fußballer trennen sich. Auf der Generalversammlung entschieden sich die Mitglieder der Fußballabteilung für den Namen "FC Schalke 04", die Vereinsfarben wechseln von Rot und Gelb zu Blau und Weiß.

3. Mai 1925 - Das erste Aufeinandertreffen mit Borussia Dortmund. Die Schalker siegen 4:2. Ihre Spielweise: "Kurz und flach wandert der Ball von Mann zu Mann." So stand es in der Zeitung. Der "Schalker Kreisel" war geboren und stellte in den Folgejahren so manchen Gegner vor Probleme.

8. Mai 1927 - Erstmals steht der FC Schalke 04 in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Der TSV 1860 München setzt sich in der Vorrunde diesmal noch im Dortmunder Stadion "Rote Erde" mit 3:1 durch.

20. November 1927 - Ernst Kuzorra (Jg. 1905) ist vier Jahre nach seinem Debüt in der ersten Mannschaft der erste Nationalspieler des FC Schalke 04. 2:2 trennt sich Deutschland in Köln von den Niederlanden. "Clemens", wie Kuzorra von allen genannt wird, hat bei den "Knappen" auf dem Platz und auch außerhalb das Sagen. Zusammen mit seinem Schwager Fritz Szepan (Jg. 1907) ist er das sportliche Aushängeschild des Vereins.

1928 - Umzug ins Vereinslokal "Kaiserhalle" am Schalker Markt, von "Mutter" Thiemeyer geführt. Dort bringt Vorsitzender "Papa" Unkel auch die Geschäftsstelle des Clubs unter.

 

29. August 1928 - Einweihung der Glückauf-Kampfbahn.

1929 - Umbenennung in "FC Gelsenkirchen-Schalke 04" - ein Tribut an die Stadt Gelsenkirchen, die den Bau des neuen Stadions finanziell unterstützt hat.

25. August 1930 - Der Westdeutsche Spielverband erklärt 14 Spieler, die für Spiel und Training ein damals verbotenes Handgeld erhalten hatten, zu Berufsspielern und sperrt sie. Außerdem werden acht Vorstandsmitglieder aus dem WSV ausgeschlossen. Der Bankbeamte Willy Nier, der als Finanzobmann die Zahlungen gedeckt hat, ertränkt sich aus Scham im Rhein-Herne-Kanal. Die Reserve spielt derweil für die gesperrte 1. Mannschaft.

1. Juni 1931 - Das erste Spiel nach Aufhebung der Sperre: 70.000 Zuschauer stürmen die Glückauf-Kampfbahn beim 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf.

11. Juni 1933 - In seinem ersten Endspiel um die deutsche Meisterschaft verliert der FC Schalke 04 mit 0:3 gegen Fortuna Düsseldorf.

1934 bis 1942


24. Juni 1934 - Eine große Ära beginnt: Schalke wird durch Ernst Kuzorras Tor zum 2:1 kurz vor dem Abpfiff gegen den 1. FC Nürnberg erstmals deutscher Fußballmeister. Den anderen Treffer steuert Fritz Szepan bei. Zwischen 1933 und 1942 stehen die Gelsenkirchener in 14 von 20 Endspielen um Meisterschaft und Pokal; in jedem der zehn Jahre erreichen sie mindestens ein Finale und gewinnen insgesamt sieben Titel (sechsmal Meister, einmal Pokalsieger)

23. Juni 1935 - Zweiter deutscher Meistertitel: 6:4 gegen VfB Stuttgart. Es treffen Ernst Pörtgen (3), Ernst Kalwitzki, Ala Urban und Rudi Gellesch.

8. Dezember 1935 - Im ersten deutschen Pokalfinale überhaupt verliert Schalke mit 0:2 gegen den 1. FC Nürnberg.

3. Januar 1937 - Pokalfinale des Jahres 1936 ­ wieder verliert Schalke, diesmal mit 1:2 gegen den VfB Leipzig. Tor: Kalwitzki.

20. Juni 1937 - Die dritte deutsche Meisterschaft: 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg. Ernst Kalwitzki und Ernst Pörtgen sind erfolgreich.

9. Januar 1938 - Im dritten Anlauf glückt es: Schalke wird Pokalsieger des Jahres 1937 durch einen 2:1-Sieg über Fortuna Düsseldorf und schafft als erster deutscher Verein das "Double". Ernst Kalwitzki und Fritz Szepan sorgen mit einem Doppelschlag nach der Pause (46./47.) für den Triumph.

3. Juli 1938 - Als hoher Favorit muss sich Schalke im Meisterschaftsendspiel Hannover 96 beugen. Einem 3:3 im ersten Anlauf (Tore: Kalwitzki, Pörtgen 2) folgt im Wiederholungsspiel eine 3:4-Niederlage (Tore: Kuzorra 2, Szepan).

18. Juni 1939 - Eine Glanzleistung und fünf Tore von Ernst Kalwitzki führen zum Gewinn der vierten deutschen Meisterschaft. Admira Wien wird mit dem Rekordergebnis von 9:0 bezwungen. Außerdem fallen Tore durch Ötte Tibulski, Fritz Szepan, Ala Urban und Ernst Kuzorra.

21. Juli 1940 - Meistertitel Nummer fünf: Mit 1:0 wird der Dresdner SC geschlagen. Wer trifft? Natürlich Ernst Kalwitzki.

22. Juni 1941 - Kuriose Niederlage im Endspiel: Rapid Wien schlägt Schalke mit 4:3 und wird deutscher Meister ­ die Knappen führten dabei schon mit 3:0 durch Hinz (2) und Hermann Eppenhoff.

2. November 1941 - Auch aus dem zweiten Endspiel des Jahres geht Schalke als Verlierer hervor. Der Dresdner SC gewinnt das Pokalfinale mit 2:1. Kuzorra sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich.

5. Juli 1942 - Die sechste deutsche Meisterschaft wird durch ein 2:0 gegen Vienna Wien gewonnen (Tore: Kalwitzki, Szepan)

15. November 1942 - Fünftes Pokalfinale, vierte Niederlage: 0:2 gegen den TSV München 1860.

1946 bis 1969


7. Juli 1946 - Erstes Spiel nach Wiederaufbau der Glückauf-Kampfbahn: Westfalia Herne wird mit 5:0 geschlagen

23. Februar 1947 - Höchster in einem offiziellen Meisterschaftsspiel erzielter Sieg: 20:0 bei der SpVgg. Herten

14. Juli 1947 - Erstes Spiel in der Oberliga West ­ 2:2 bei Hamborn 07. Schalke wird zum ersten Mal seit 1934 nicht mehr Westfalenmeister

24. April 1949 - Schalke wird nur 12. der Oberliga und schafft den Klassenerhalt nur, weil die Oberliga von 13 auf 16 Vereine aufgestockt wird.

12. November 1950 - Ernst Kuzorra und Fritz Szepan beenden ihre legendäre Karriere nach einem Spiel gegen Brasiliens Meister Atletico Mineiro.

29. April 1951 - Erster Titelgewinn in der Oberliga West.

21. Mai 1955 - Schalke verliert erneut ein Pokalfinale: 2:3 gegen den Karlsruher SC. Die Tore von "Catcher" Sadlowski zur 2:1-Führung reichen nicht.

13. April 1958 - Zum zweiten Mal wird Schalke Meister der Oberliga West.

18. Mai 1958 3:0 - im Finale gegen den Hamburger SV bringt den siebten deutschen Meistertitel. Berni Klodt (2) und Manni Kreuz sind im Niedersachsenstadion von Hannover erfolgreich.

24. August 1963 - Erstes Bundesligaspiel in der Glückauf-Kampfbahn. 30.000 erleben eine 2:0 Sieg über den VfB Stuttgart.

15. Mai 1965 - Schalke schließt die Saison mit einem 16. Platz ab und müsste absteigen, doch die Liga wird von 16 auf 18 Vereine aufgestockt.

7. Januar 1967 - Auf dem Mönchengladbacher Bökelberg erlebt Schalke die höchste Niederlage seiner Bundesligajahre: Borussia Mönchengladbach gewinnt mit 11:0.

14. Juni 1969 - Siebtes Pokalendspiel, sechste Niederlage: In Frankfurt verliert Schalke 1:2 gegen den FC Bayern München (Tor: Pohlschmidt).

1970 bis 1977


15. April 1970 - Schalke 04 scheidet erst im Halbfinale des Europapokal der Pokalsieger gegen Manchester City aus.

28. Juni 1972 - Schalke 04 verpasst mit 52:16 Punkten knapp die achte deutsche Meisterschaft und wird Vize-Meister.

1. Juli 1972 - Durch einen 5:0-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern wird Schalke zum zweiten Mal Deutscher Pokalsieger. Die Torschützen in Hannover sind Helmut Kremers (2), Klaus Scheer, Aki Lütkebohmert und Klaus Fischer. Mannschaftskapitän "Stan" Libuda reckt den "Pott" in die Höhe.

1972/73 - Der Bundesliga-Skandal, der für Schalke am 17. April 1971 mit jenem für 2.300 DM pro Kopf verschobenen Spiel gegen Arminia Bielefeld (0:1) begonnen hat, erreicht nach der Aufklärung der Vorgänge seinen Höhepunkt. Viele aktuelle und ehemalige Schalker Spieler (Klaus Fichtel, Klaus Fischer, Rolf Rüssmann, Jürgen Sobieray, Herbert Lütkebohmert, Reinhard Libuda, Hans-Jürgen Wittkamp und Heinz van Haaren) werden vom DFB gesperrt. Erst im Januar 1974 sind auch die letzten Sünder nach Ihrer Begnadigung wieder einsetzbar.

9. Juni 1973 - Letztes Bundesligaspiel in der Glückauf-Kampfbahn (2:0 gegen den HSV) vor dem Umzug in das Parkstadion, die am 4. August gegen Feyenoord Rotterdam eingeweiht wird.

11. Juni 1976 - Mit 29 Treffern wird Klaus Fischer Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga.

9. Oktober 1976 - Mit einem 7:0 beim FC Bayern München gelingt Schalke der höchste Sieg seiner Bundesligageschichte. Im Olympiastadion sorgten Klaus Fischer (4), Manni Dubski, Rüdiger Abramczik und Erwin Kremers für das Torfestival.

21. Mai 1977 - Schalke wird hinter Borussia Mönchengladbach Vize-Meister.

1978 bis 1999


13. Juni 1981 - Schalke 04 steigt als Siebzehnter in die 2. Bundesliga ab.

29. Mai 1982 - Direkter Wiederaufstieg als Meister der zweiten Liga.

6. Juni 1983 - Erneuter Abstieg in die 2. Liga.

2. Mai 1984 - Dem 18jährigen Olaf Thon glücken beim legendären 6:6 im Pokalhalbfinale gegen FC Bayern München drei Tore. Außerdem lassen Thomas Kruse, Peter Stichler und Bernhard Dietz die Schalker Fans jubeln.

9. Mai 1984 - Im Wiederholungsspiel verliert Schalke 04 mit 2:3

9. Juni 1984 - Aufstieg in die Bundesliga.

21. Mai 1988 - Dritter Abstieg in die 2. Liga.

16. Juni 1991 - Der FC Schalke 04 gelingt nach dreijähriger Abwesenheit wieder der Sprung in die Bundesliga.

5. Dezember 1994 - Änderung der Satzung. Der FC Schalke 04 erhält einen Aufsichtsrat, der von nun an den Vorstand bestellt. Damit sind die Schalker Vorreiter für die Bundesliga. Die neue Satzung schließt den Prozess der Umstrukturierung des Vereins nach Abbau einer Schuldenlast von annähernd 20 Millionen Mark ab.

18. Mai 1996 - Als Bundesligadritter erreicht der FC Schalke 04 nach 19 Jahren wieder einen UEFA-Pokal-Platz.

21. Mai 1997 - Der FC Schalke 04 gewinnt nach einem an Spannung nicht zu überbietenden Spiel gegen Inter Mailand erstmals den UEFA-Cup. Das Hinspiel am 7. Mai im Parkstadion endete mit einem 1:0-Sieg durch ein Tor von Marc Wilmots. Dank Ivan Zamoranos Tor kurz vor Schluss erreicht Inter im Rückspiel die Verlängerung. Das Elfmeterschießen endet mit 4:1 klar zu Schalker Gunsten. Ingo Anderbrügge, Martin Max, Olaf Thon und Marc Wilmots behalten vor 25.000 mitgereisten Schalker Fans im mit 81.675 Zuschauern ausverkauften Giuseppe-Meazza-Stadion die Nerven.

17. März 1998 - Durch ein 1:1-Unentschieden im Viertelfinalrückspiel gegen Inter Mailand verpasst der FC Schalke 04 nach einer 0:1-Niederlage im Hinspiel den Einzug in das UEFA-Pokal-Halbfinale. Eine famose Leistung und ein ebenso famoses Tor von Michaël Goossens reichen nicht.

9. Mai 1998 - Durch einen 2:1-Sieg gegen Arminia Bielefeld wird der UEFA-Pokal zum dritten Mal in Folge erreicht.

29. September 1998 - Ausgerechnet Marco van Hoogdalem, der mit seinen beiden Toren gegen Bielefeld den Weg in den UEFA-Cup geebnet hatte, verschießt im Elfmeterschießen bei Slavia Prag (beide Spiele endeten 1:0 für den jeweiligen Gastgeber) den letzten Elfmeter. Die internationale Reise des FC Schalke 04 ist erst einmal beendet.

29. Mai 1999 Am letzten Spieltag der Saison 1998/99 gewinnen die Königsblauen bei 1860 München nach einem kuriosen Spiel mit 5:4. Dieser Sieg hilft nichts mehr, der 6. Platz wird um 14 Punkte verfehlt und Schalke wird am Ende Zehnter in der Tabelle.

Erfolge und Finalteilnahmen


UEFA-Cup-Sieger

1997 ­ 1:0 in Gelsenkirchen und 0:1 n.V. in Mailand (4:1 i.E.) gegen FC Internazionale Mailand

Deutscher Meister
1934 ­ 2:1 in Berlin gegen 1. FC Nürnberg
1935 ­ 6:4 in Köln gegen VfB Stuttgart
1937 ­ 2:0 in Berlin gegen 1. FC Nürnberg
1939 ­ 9:0 in Berlin gegen Admira Wien
1940 ­ 1:0 in Berlin gegen Dresdner SC
1942 ­ 2:0 in Berlin gegen Vienna Wien
1958 ­ 3:0 in Hannover gegen Hamburger SV

Deutscher Pokalsieger
1937 ­ 2:1 in Köln gegen Fortuna Düsseldorf
1972 ­ 5:0 in Hannover gegen 1. FC Kaiserslautern
2001 ­ 2:0 in Berlin gegen 1. FC Union Berlin

Meister der 2. Liga
1982, 1991

Westdeutscher Meister
1929, 1930, 1932, 1933

Meister der Oberliga West
1951, 1958

Westdeutscher Pokalsieger
1955

Westfalenmeister
1934, 1935, 1936, 1937, 1938, 1939, 1940, 1941, 1942, 1943, 1944

Ruhrbezirksmeister
1927, 1928, 1929, 1930, 1932, 1933

Deutscher Vizemeister
1933 ­ 0:3 in Köln gegen Fortuna Düsseldorf
1938 ­ 3:3 und 3:4 in Berlin gegen Hannover 96
1941 ­ 3:4 in Berlin gegen Rapid Wien
1972 ­ in der Bundesliga hinter Bayern München
1977 ­ in der Bundesliga hinter Borussia Mönchengladbach
2001 ­ in der Bundesliga hinter Bayern München, zugleich "Meister der Herzen"

Pokalfinalist
1935 ­ 0:2 in Düsseldorf gegen 1. FC Nürnberg
1936 ­ 1:2 in Berlin gegen VfB Leipzig
1941 ­ 1:2 in Berlin gegen Dresdner SC
1942 ­ 0:2 in Berlin gegen TSV München 1860
1955 ­ 2:3 in Braunschweig gegen den Karlsruher SC
1969 ­ 1:2 in Frankfurt gegen Bayern München

Europapokal der Landesmeister


1958/59

Qualifikationsrunde

26. August 1958
Kopenhagen BK - FC Schalke 04 3:0 (2:0)

17. September 1958
FC Schalke 04 - Kopenhagen BK 5:2 (2:0)
Tore: Klodt 2, Sadlowski, Nowak, Brocker

1. Oktober 1958 (Entscheidungsspiel in Enschede)
FC Schalke 04 - Kopenhagen BK 3:1 (0:0)
Tore: Siebert, Nowak, Klodt

Achtelfinale

12. November 1958
Wolverhampton Wanderers - FC Schalke 04 2:2 (0:1)
Tore: Siebert, Koslowski

18. November 1958
FC Schalke 04 - Wolverhampton Wanderers 2:1 (2:0)
Tore: Kördell, Siebert

Viertelfinale

4. März 1959
Atlético Madrid - FC Schalke 04 3:0 (0:0)

18. März 1959
FC Schalke 04 - Atlético Madrid 1:1 (1:0)
Tor: Nowak

 

Europapokal der Pokalsieger


1969/70

(Der FC Schalke 04 nahm als unterlegener Pokalfinalist teil, da Pokalsieger Bayern München auch Deutscher Meister wurde)

Vorrunde

17. September 1969
Shamrock Rovers - FC Schalke 04 2:1 (0:1)
Tor: Pirkner

1. Oktober 1969
FC Schalke 04 - Shamrock Rovers 3:0 (1:0)
Tore: Libuda, Pirkner, Wittkamp

Achtelfinale

12. November 1969
IFK Norrköping - FC Schalke 04 0:0

26. November 1969
FC Schalke 04 - IFK Norrköping 1:0 (1:0)
Tor: Scheer

Viertelfinale

4. März 1970
Dinamo Zagreb - FC Schalke 04 1:3 (0:1)
Tore: Pirkner, Fichtel, Becher

18. März 1970
FC Schalke 04 - Dinamo Zagreb 1:0 (0:0)
Tor: Scheer

Halbfinale

1. April 1970
FC Schalke 04 - Manchester City 1:0 (0:0)
Tor: Libuda

15. April 1970
Manchester City - FC Schalke 04 5:1 (3:0)
Tor: Libuda

 

1972/73

1. Runde

13. November 1972
FC Schalke 04 - Slavia Sofia 2:1 (1:0)
Tore: Rüssmann, Fischer

27. September 1972
Slavia Sofia - FC Schalke 04 1:3 (0:2)
Tore: Braun, Scheer, Lütkebohmert

Achtelfinale

25. Oktober 1972
Cork Hibernians - FC Schalke 04 0:0

8. November 1972
FC Schalke 04 - Cork Hibernians 3:0 (2:0)
Tore: Ehmke, Braun, Kremers

Viertelfinale

7. März 1973
FC Schalke 04 - Sparta Prag 2:1 (2:1)
Tore: Ehmke, Rüssmann

21. März 1973
Sparta Prag - FC Schalke 04 3:0 (1:0)

UEFA-Cup


1976/77

1. Runde

8. September 1976
FC Porto - FC Schalke 04 2:2 (0:2)
Tore: Fischer 2

29. September 1976
FC Schalke 04 - FC Porto 3:2 (0:0)
Tore: Fichtel, Abramczik, Fischer

2. Runde

20. Oktober 1976
Sportul Bukarest - FC Schalke 04 0:1(0:0)
Tor: Fischer

3. November 1976
FC Schalke 04 - Sportul Bukarest 4:0 (3:0)
Tore: Bongartz 2, Fischer 2

Achtelfinale

24. November 1976
RWD Molenbeek - FC Schalke 04 1:0 (0:0)

8. Dezember 1976
FC Schalke 04 - RWD Molenbeek 1:1 (1:1)
Tor: Abramczik

 

1977/78

1. Runde

14. September 1977
AC Florenz - FC Schalke 04 0:0
(nachträgliche Wertung 0:3, weil Florenz den gesperrten Spieler Casara eingesetzt hatte)

28. September 1977
FC Schalke 04 - AC Florenz 2:1 (1:0)
Tore: Abramczik, H. Kremers

2. Runde

19. Oktober 1977
1. FC Magdeburg - FC Schalke 04 4:2 (2:0)
Tore: Demange, Abramczik

2. November 1977
FC Schalke 04 - 1. FC Magdeburg 1:3 (0:2)
Tor: E. Kremers

 

1996/97

1. Runde

10. September 1996
FC Schalke 04 - SV Roda JC Kerkrade 3:0 (2:0)
Tore: Wilmots, Mulder, Anderbrügge

24. September 1996
SV Roda JC Kerkrade - FC Schalke 04 2:2 (1:1)
Tore: Wagner, Wilmots

2. Runde

15. Oktober 1996
FC Schalke 04 - Trabzonspor Kulübü 1:0 (0:0)
Tor: Max

29. Oktober 1996
Trabzonspor Kulübü- FC Schalke 04 3:3 (0:2)
Tore: de Kock 2, Max

Achtelfinale

19. November 1996
Club Brügge - FC Schalke 04 2:1 (1:0)
Tor: Büskens

3. Dezember 1996
FC Schalke 04 - Club Brügge 2:0 (1:0)
Tore: Max, Mulder

Viertelfinale

4. März 1997
FC Schalke 04 - Valencia CF 2:0 (1:0)
Tore: Linke, Wilmots

18. März 1997
Valencia CF - FC Schalke 04 1:1 (1:1)

Tor: Mulder

Halbfinale

8. April 1997
CD Teneriffa - FC Schalke 04 1:0 (1:0)
22. April 1997
FC Schalke 04 - CD Teneriffa 2:0 (0:0,1:0) n.V.
Tore: Linke, Wilmots

Finale

7. Mai 1997
FC Schalke 04 - Inter Mailand 1:0 (0:0)
Tor: Wilmots

21. Mai 1997
Inter Mailand - FC Schalke 04 1:0 (0:0,1:0) n.V., 1:4 i.E.


Elfmeter: Anderbrügge, Thon, Max, Wilmots

 

1997/98

1. Runde

16. September 1997
FC Schalke 04 - HNK Hajduk Split 2:0 (2:0)
Tore: Goossens 2

30. September 1997
HNK Hajduk Split - FC Schalke 04 2:3 (2:1)
Tore: Eijkelkamp 2, Wilmots

2. Runde

21. Oktober 1997
FC Schalke 04 - RSC Anderlecht 1:0 (1:0)
Tor: Thon

5. November 1997
RSC Anderlecht - FC Schalke 04 1:2 (1:0)
Tore: van Hoogdalem, Wilmots

Achtelfinale

25. November 1997
Sporting Clube de Braga - FC Schalke 04 0:0

9. Dezember 1997
FC Schalke 04 - Sporting Clube de Braga 2:0 (0:0)
Tore: Max, Eijkelkamp

Viertelfinale

3. März 1998
Inter Mailand - FC Schalke 04 1:0 (1:0)

17. März 1998
FC Schalke 04 - Inter Mailand 1:1 (0:0; 1:0) n.V.
Tor: Goossens

1997/98

1. Runde

15. September 1998
FC Schalke 04 - Slavia Prag 1:0 (1:0)
Tor: Wilmots

29. September 1998
Slavia Prag - FC Schalke 04 1:0 (1:0,1:0) n.V., 5:4 i.E.

Blau und Weiß, wie lieb ich Dich (Text und Musik: Hans J. König / 1924)

Blau und Weiß, wie lieb ich Dich
Blau und Weiß
, verlass mich nicht
Blau und Weiß
ist ja der Himmel nur
Blau und Weiß ist unsere Fußballgarnitur

Hätten wir ein Königreich
Machten wir es den Schalkern gleich
Alle Mädchen, die so jung und schön
Müssten alle
Blau und Weiß spazieren gehn

Mohammed war ein Prophet
Der vom Fußballspielen nichts versteht
Doch aus all der schönen Farbenpracht
Hat er sich das
Blau und Weiße ausgedacht

Tausend Feuer in der Nacht
Haben uns das große Glück gebracht
Tausend Freunde, die zusammenstehn
Dann wird der
FC Schalke niemals untergehn.

 

Die Stunde Null-4


1904

51o 31´ Grad nördlicher Breite und 4o 45´ östlicher Länge: 16 Jugendliche aus dem Gelsenkirchener Stadtteil Schalke treffen sich, um ihr bisheriges Freizeitgekicke zu beenden und einen offiziellen Verein zu gründen: den Sportverein Westfalia Schalke.

Das genaue Gründungsdatum ist heute unklar - irgendwann im April oder Mai 1904 muß es gewesen sein, später wurde einfach der 4. Mai 1904 als Gründungstag angegeben. Ein Protokoll oder ähnliches hat es nie gegeben.

Die Vereinsfarben sind nicht blau und weiß, wie vielleicht viele vermuten, sondern rot und gelb. Abgeguckt von einer holländischen Mannschaft, die kurz zuvor mehrere Gastspiele im Revier absolviert hatte.

Der Stadtteil Schalke hat zu dieser Zeit ca. 30 000 Einwohner und ist kurz zuvor der Stadt Gelsenkirchen eingemeindet worden.

In Schalke leben überwiegend die Zuwanderer des Bergbaus. Die Belegschaft auf der Zeche Consolidation beispielsweise besteht zu 50% aus masurischen Einwanderern.

Die Spielstätte des neugegründeten Vereins ist ein Hartplatz am Haus Goor in Schalke auf der Hauergasse zwischen Herzogstraße und Gewerkenstraße. Der älteste unter den Jugendlichen ist der 17jährige Willy Gies, der die Truppe zusammenhält und die Gründung eines offiziellen Vereins in die Wege leitet.

Der monatliche Beitrag beträgt für schulpflichtige Mitglieder 5, für Schulentlassene 10 Pfennig.
Zum Vergleich: 5 Pfennig kostet damals ein Schnaps, 10 Pfennig ein Bier.


Die Gründungsmitglieder

- Josef Ferse
- Willy Gies
- Viktor Kroguhl
- Johann Kessel
- Heinrich Kullmann
- Adolf Oetzelmann
- Josef Seimetz
- Willy van den Berg


Warum ausgerechnet die Jugendlichen aus der Hauergasse einen offiziellen Verein gründen, die vielen anderen Mannschaften, die ebenfalls zu dieser Zeit auf den Straßen und Plätzen spielen, aber nicht, ist nicht überliefert. Vom Westdeutschen Spielverband wird die Westfalia aber nicht anerkannt. Von dort erhalten sie die Empfehlung, sich einem bestehenden Verein anzuschließen.

1905

Für elf Mark wird der erste richtige Fußball gekauft. Westfalia Schalke zieht um und spielt auf dem städtischen Gelände an der Taubenstraße (heutiger Jahnplatz).

Am 16. Oktober 1905 wird der Bergmann Karl Kuzorra, wohnhaft in der Blumendelle, zum vierten Mal Vater. Der Junge erhält den Namen Ernst.

1907

Um von der Stadt Gelsenkirchen als Sportverein anerkannt zu werden, benötigen die Schalker einen volljährigen Vorsitzenden. Der Wiegemeister der Zeche Consol Heinrich Hilgert erklärt sich dazu bereit. Seine Wahl nimmt er mit den Worten an: "Jau, ick dau datt".

Der Verein zählt mittlerweile 40 Mitglieder, die zwischen 16 und 20 Jahre alt sind. Es werden inzwischen zwei Mannschaften geführt. Laut Kassierer Kullmann befinden sich 90 Mark in der Vereinskasse.

Der erst drei Jahre alte Verein zieht schon wieder um. Vereinswirt Heining besorgt einen neuen Platz: Westfalia spielt jetzt auf der Rubenschen Wiese zwischen Grenzstraße und Industriestraße.

Am 02. September 1907 wird der Bergmann August Szepan, wohnhaft in der Grenzstraße, zum sechsten Mal Vater. Die Eltern geben dem Kind den Namen Fritz.

Der Deutsche Fußball Bund ist mittlerweile sieben Jahre alt und hat sich bereits der FIFA angeschlossen.

Der noch junge Fußball ist der Sport des Bürgertums. In den Vereinen spielen fast ausschließlich Schüler, Studenten und Angestellte. Die Kicker von Haus Goor werden daher äußerst skeptisch betrachtet. Für die anderen Vereine sind die Spieler von Westfalia eine ´wild pöhlende´ Truppe.

1912

Zweimal hat der Westdeutsche Spielverband bereits Aufnahmeanträge von Westfalia Schalke abgelehnt. Also muß ein anderer Weg gewählt werden. Westfalia schließt sich auf Anraten des Verbandes einem Verein an, der bereits Mitglied im Westdeutschen Fußballverband ist. Der Schalker Turnverein 1887 übernimmt Westfalia Schalke als seine Fußballabteilung.

Damit beginnt der geregelte Spielbetrieb für die Schalker. Die Zeiten des Improvisierens und des wilden Gegnersuchens sind beendet.

Erster Vorsitzender des Turnvereins Schalke ist Fritz ´Papa´ Unkel, von dem noch die Rede sein wird.

1914 - 1918

Der erste ´echte´ Vorsitzende wird gefunden. Der Bankangestellte Robert Schuermann übernimmt den Posten.

Obwohl Bergleute zunächst nicht für den 1. Weltkrieg eingezogen werden, bricht die Mannschaft in der Folgezeit doch Stück für Stück auseinander. Der Krieg macht längst keine Ausnahmen mehr. Auch Knappen müssen an die Front.

Die Fußballabteilung des Turnvereins wird zwar 1914 aufgelöst, aber im gleichen Jahr gründet sich wieder ein eigenständiger Fußballklub mit dem alten Namen ´Westfalia Schalke´.

Schuermann erreicht 1915, daß der Westdeutsche Spielverband viele kleine Vereine aufnimmt, darunter auch die Westfalia. Der Verband hat angesichts der Kriegsnot keine Bedenken mehr. 1916 muß auch Robert Schuermann einrücken. Ehefrau Christine, Tochter des Schalker Gastwirts Wilke, übernimmt das Vereinsruder und schafft es, bis 1917 noch den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Im letzten Kriegsjahr stirbt sie.

1919

1919 fusioniert Westfalia Schalke mit dem Turnverein Schalke. Der Hauptgrund ist ein Platzproblem. Der Turnverein hat den Platz an der Grenzstraße von der Zeche Consolidation gepachtet. Während der Kriegszeit hatten die Schalker bereits auf diesem Gelände gespielt, da der Turnverein für den Platz keine Verwendung hatte. Nach Kriegsende wird der Platz in Eigenarbeit wieder hergerichtet.

Erster Vorsitzender des Turnvereins ist immer noch Fritz Unkel. Er schlägt die Fusion vor, bei der die Westfalia ihren Namen aufgibt und der Turnverein seinen Namen in ´Schalker Turn- und Sportverein 1877´ abändert.

1920

Die Gebrüder Ballmann kommen an den Schalker Markt. Vor dem 1. Weltkrieg waren die Eltern der Ballmanns nach England ausgewandert. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden sie interniert. Während seiner Kriegsgefangenschaft lernte der Schalker Fred Kühne sie auf der Insel kennen.

1920 werden Fred und Hans Ballmann nach Deutschland ausgewiesen. Beide sprechen kaum deutsch als sie im Ruhrgebiet ankommen. Fred Kühne holt sie zu den Schalkern. Ernst Kuzorra später: "Die machten Fallrückzieher, Doppelpaß - sowas kannten wir alles gar nicht." Die Ballmann-Brüder führen den schottischen Flachpaß ein. Der Ball wird so flach und so schnell wie möglich zum Mitspieler weitergepaßt.

Der Schalker Meisterspieler Hans Bornemann faßt das Spielprinzip später zusammen: "Nicht der, der im Ballbesitz ist, bestimmt das Spiel, sondern die, die sich freilaufen, zwingen zum Abspiel." Der Schalker Kreisel ist geboren.

1920 stellen sich auch die ersten Erfolge für die Westfalia ein. Im Entscheidungsspiel gegen den hohen Favoriten BV 12 Gelsenkirchen (4:0) wird der Aufstieg in die A-Klasse perfekt gemacht. Im Folgejahr steigt man als Meister der A-Klasse in die Kreisliga auf.

1923

Am 20. Mai 1923 wird Schalke erstmals Gruppenmeister der Kreisliga. Zu dieser Zeit fahren die Schalker auf offenen Lastwagen zu den Auswärtsspielen Von vielen werden sie als ´Die Engländer´ bezeichnet. Spielführer der Schalker ist Thomas Student.

Es bildet sich ein fester Anhängerstamm. Da die meisten Spieler Bergleute sind, haben sie bei den Knappen die meisten Anhänger.

Der Deutsche Turnverband verlangt von seinen angeschlossenen Vereinen eine klare Trennung. Turnen oder Fußball oder Leichtathletik - der Vereinszweck soll klar erkennbar sein. Die schon geschlossenen Zweckehen müssen wieder geschieden werden.

1924

In der Vereinsgaststätte Oeldemann findet am 05.01.1924 die Mitgliederversammlung der Fußballabteilung des Turn- und Sportvereins Schalke 1877 statt. Auch Willy Gies ist trotz schwerer Kriegsverletzung noch dabei. Auch Papa Unkel hat sich von der Turnabteilung getrennt und wechselt zu den Fußballern.

Zur Diskussion stehen die Namen Blau-Weiß Schalke oder Schalke 04. Der Name ´Westfalia Schalke´ soll nicht mehr benutzt werden, da er nicht weltmännisch genug erscheint. Wie die Diskussion ausging, ist jedem bekannt.

Im Februar 1924 wird Schalke wieder Gruppenmeister der Kreisliga - auf die Emscherkreismeisterschaft muß man noch warten. Der BV Stoppenberg holt sich in diesem Jahr den Titel.

1925

Schalke steht im Endspiel um die Emscherkreismeisterschaft gegen Sportfreunde Essen 07. Nach 90 Minuten steht es in Buer 0:0. Durch drei Treffer in der Verlängerung holen sich die Blauen erstmals den Titel.

Am 03.05. wird Schalke Ruhrgaumeister. In den Gruppenspielen werden Preußen Bochum und Borussia Dortmund, die übrigens Gruppenletzter werden, geschlagen.

Am 21.06. wird Schalke mit 6:0 Punkten und 11:1 Toren Westdeutscher Kreisligameister. In den Gruppenspielen werden Bielefeld 06, Eller 04 und Rasensport Hagen besiegt.

Der DFB wird 25. In der Festschrift befindet sich ein Artikel ´30 Jahre Gelsenkirchener Fußball´. Schalke wird mit keinem Wort erwähnt.

Die wilden Jahre


1926

Im letzten Saisonspiel gewinnt Schalke am 11. April bei der STV Horst mit 3:1 und wird mit 35:9 Punkten Gruppenmeister. Eine Woche später gewinnen die Schalker das Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Ruhrbezirksliga gegen Sportfreunde 07 Essen mit 2:1.

Ernst Kuzorra spielt mit dem Gedanken, die Knappen zu verlassen und bewirbt sich an der Polizeischule in Münster. ´Tullux´ Valentin zerreißt nach dem Training das Einberufungsschreiben für die Polizeischule mit den Worten: "Ernst, du bleibst hier!".

Am 26. Oktober wird Bernie Klodt, Kapitän der Meistermannschaft von 1958, geboren.

1927

Am 06. Februar schlagen die Schalker im letzten Gruppenspiel Erle 08 mit 9:3. Mit 30:2 Punkten und 68:27 Toren wird der Liganeuling Schalke unbesiegt Gruppenmeister. Der Vorsprung auf den Zweiten Union Gelsenkirchen beträgt zehn Punkte.

Am 27. Februar findet das zweite Entscheidungsspiel um die Ruhrbezirksmeisterschaft gegen BV Altenessen statt. Das erste Spiel hatten die Schalker eine Woche zuvor auf dem Kaiserplatz in Essen durch ein Tor von Ernst Kuzorra mit 1:0 gewonnen.

Im Rückspiel trifft Ernst Kuzorra zweimal. Durch das 2:2 sind die Schalker erstmals Ruhrbezirksmeister und nehmen an der Westdeutschen Meisterschaft teil.

Diese Westdeutsche Meisterschaft ist das große Ziel aller Westvereine. Die sieben Bezirksmeister spielen in einfacher Runde auf neutralen Plätzen den Sieger aus. Die ersten Drei dürfen an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen. Die großen Vereine aus dieser Zeit (Nürnberg, Fürth, Bayern München und der Hamburger SV) sind für die Westklubs jedoch unerreichbar.

Mit der Gaststätte Thiemeyer wird ein neues Vereinslokal gefunden. Von der späteren Meistermannschaft ist neben Ernst Kuzorra mittlerweile auch Fritz Szepan dabei. Trainer der Schalker ist der frühere Mittelläufer des Duisburger Spielvereins, Ludewig.

In den folgenden Gruppenspielen werden Arminia Bielefeld und Hagen 05 mit 3:0, der CfR Köln mit 3:2 geschlagen. Nach den beiden folgenden Unentschieden (jeweils 2:2) gegen Kurhessen Kassel und SpV Duisburg kommt es am 10. April im Duisburger Wedaustadion vor 50000 Zuschauern zum entscheidenden Spiel gegen den Duisburger SV.

Sackenheim bringt die Duisburger mit 1:0 in Führung. Durch zwei Kuzorra-Tore gehen die Schalker mit 2:1 in Führung, müssen aber noch den Ausgleich hinnehmen. Torwart Sobottka, seit über zehn Jahren zwischen den Schalker Pfosten, hält einen von Schiedsrichter Peco Bauwens, dem späteren DFB-Präsidenten, verhängten Foulelfmeter. Durch diesen Sieg sichern sich die Schalker bereits vorzeitig die Berechtigung zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft.

Am 17. April verlieren die Schalker das letzte Gruppenspiel gegen Fortuna Düsseldorf auf dem SC 99-Platz an der Brehmstraße mit 3:4. Mit einem Sieg hätte man ein Entscheidungsspiel gegen den Duisburger SV um die Westdeutsche Meisterschaft erzwungen.

Mit 8:4 Punkten sind die Knappen Gruppenzweiter und nehmen damit erstmals an den Spielen um die Victoria teil. Das erste Spiel am 08. Mai ist bereits Endstation. Die Blauen unterliegen 1860 München mit 1:3. Den Ehrentreffer schießt Emil Rothardt.

Am 08. August wird der Grundstein für den Bau der Glückauf-Kampfbahn gelegt.

Am 20. November wird Ernst Kuzorra als erster Schalker in die Nationalmannschaft berufen. Deutschland und Holland trennen sich 2:2.

1928

Schalke wird mit 23:7 Punkten wieder Gruppenmeister. In den beiden Entscheidungsspielen um die Ruhrbezirksmeisterschaft wird Schwarz-Weiß Essen besiegt. Dem 2:1 im Hinspiel am Jahnplatz in Heßler folgt am 26. Februar ein 4:2 Sieg am Essener Uhlenkrug.

In den Gruppenspielen um die Westdeutsche Meisterschaft kassieren die Schalker empfindliche Niederlagen: 1:2 gegen Preußen Krefeld und 2:7 gegen Köln-Sülz.

Am Ende werden die Schalker mit 7:5 Punkten hinter Köln-Sülz und Preußen Krefeld Gruppendritter und sichern sich knapp vor Kurhessen Kassel und Borussia Rheine die Teilnahmeberechtigung für die Deutsche Meisterschaft.

Am 08. Juli ist für die Schalker in den Spielen um die Deutsche Meisterschaft wieder die 1. Runde Endstation. Der Hamburger SV gewinnt mit 4:2. Am 25. August findet die Einweihung der legendären Glückauf-Kampfbahn statt.

Ernst Kuzorra steht in der Nationalmannschaft, die an den Olympischen Spielen teilnimmt, bestreitet dort jedoch kein Spiel.

Im September folgen jedoch die Länderspiele gegen Schweden und Norwegen.

1929

Am 24. März wird Schalke wieder Gruppenmeister. Und wieder heißt der große Konkurrent um die Ruhrbezirksmeisterschaft Schwarz-Weiß Essen. In der Glückauf-Kampfbahn erreichen die Essener ein 0:0. Beim Rückspiel in Essen wird Torwart Sobottka verletzt, trotzdem schaffen die Schalker noch einen 1:0-Sieg durch einen von Fritz Szepan kurz vor Schluß verwandelten Elfmeter.

Am 17. April ist Uruguays Meister Rampla Juniores Montevideo in der Glückauf-Kampfbahn zu Gast. Schalke verliert mit 1:5, Ebert schießt den Ehrentreffer.

Schalke wird 25. Im Rahmen der Jubiläumsfeiern in der Glückauf-Kampfbahn am 18. Mai wird die STV Horst mit 7:0 besiegt.

Fritz Szepan debütiert in der Nationalmannschaft beim 4:4 gegen Finnland und trägt sich sofort in die Torschützenliste ein.

Erstmals übersteht Schalke die 1. Runde in den Spielen um die Deutsche Meisterschaft. Wacker Leipzig wird 5:1 geschlagen. In der Zwischenrunde gewinnt Hertha BSC in Dortmund mit 4:1 gegen die Knappen.

In den Spielen um die Westdeutsche Meisterschaft erweisen sich diesmal die Zebras aus Meiderich als der große Gegner

In Oberhausen gelingt den Schalkern zwar am 28. April ein 3:2-Sieg, das Rückspiel am 02. Juni gewinnen die Zebras in der Essener Radrennbahn mit 4:2. Ein Entscheidungsspiel ist nötig.

Am 23. Juni wird Schalke erstmals Westdeutscher Meister. Im Entscheidungsspiel am Essener Uhlenkrug wird der Meidericher SV vor 30000 Zuschauern mit 2:1 geschlagen.


Am Rande bemerkt

Informationen aus den Schalker Anfangsjahren sind äußerst dünn gesät. Die wenigen Informationsquellen widersprechen sich teilweise gegenseitig. Ein Beispiel:

Die Glückauf-Kampfbahn wurde am 25.08.1928 eingeweiht: Schalke spielte gegen Köln-Sülz 3:3 (lt. 90 Jahre Schalke). Nach einer anderen Quelle (Schalke 1920-1992) gewannen die Schalker gegen Sülz mit 5:0. Glaubt man dem Buch ´Alles Schalke, oder was?´ fand das Eröffnungspiel gegen Tennis Borussia Berlin statt. Dieses Spiel war jedoch nicht am 25.08, sondern am 02.09. Alles klar?


1930

Der Westdeutsche Spielverband ordnet den Fußball neu. Der Gruppenmeister ist ab sofort auch Ruhrbezirksmeister. Schalke schließt die Serie mit sieben Punkten Vorsprung vor Schwarz-Weiß Essen als Sieger ab.

Die Westdeutsche Meisterschaft wird ab sofort von den Besten der Bezirksklassen in zwei Gruppen ausgespielt. Die beiden Gruppensieger bestreiten das Endspiel.

Am 27. April holen die Knappen in diesem Endspiel gegen den VfL Benrath die 2. Westdeutsche Meisterschaft. Vor 35000 Zuschauern im Gladbecker Stadion schießt Ernst Kuzorra das 1:0-Siegtor.

Am 18. Mai wird in der 1. Runde um die Deutsche Meisterschaft Arminia Hannover in Bochum bei strömenden Regen mit 6:2 besiegt. Zwei Wochen später müssen die Schalker gegen den Club aus Nürnberg antreten. Zajons wird vom Platz gestellt, Badorek scheidet verletzt aus, neun Schalker gehen mit 2:6 gegen den Club unter.

Der DFB veröffentlicht in seinem Jahrbuch einen Beitrag ´Kampf dem Berufssport´. Zitat: "Es ist unsere Pflicht, Berufssportler, die sich in unseren Reihen finden sollten, auszumerzen." Am 25. August erklärt der Westdeutsche Spielverband 14 Schalker Spieler zu Berufsspielern und schließt zusätzlich acht Vorstandsmitglieder aus.

Was war passiert? Der Westdeutsche Spielverband gestattete den Spielern 5 Mark Spesen, den Schalker Spielern waren 10 Mark gezahlt worden. Gelder, die in allen Vereinen gezahlt wurden.

An Schalke wird jedoch ein Exempel statuiert. Außerhalb des Ruhrgebiets wird Schalke wegen der vielen Einwanderer, die in der Mannschaft spielen, oft als ´Polacken- und Proletenklub´ bezeichnet. Daß ausgerechnet dieser ungeliebte Verein mit seiner Spielkunst den westdeutschen Fußball repräsentierte, paßte vielen nicht.

Dann geschieht das Unglück. Willi Nier, Finanzobmann von Schalke, begeht Selbstmord. Er ertränkt sich in der Emscher.

Am Schalker Markt versucht Papa Unkel, der immer noch Präsident ist, zu retten, was noch zu retten ist. Der Westdeutsche Spielverband schließt Schalke formal von allen Spielen aus, zieht dieses Urteil jedoch eine Woche später wieder zurück.

Für Schalke geht es jetzt nur noch darum, den Klassenerhalt zu schaffen. Ab sofort muß die Reserve für die fast vollständig gesperrte 1. Mannschaft spielen. Einige aus der Altherrenmannschaft kommen dazu.

Zu dieser Zeit ist der Profifußball überall in Europa verbreitet. Die Engländer praktizieren das Berufsspielertum bereits seit dem 19. Jahrhundert. Die Schalker Spieler überlegen, ob sie den Verein verlassen sollen. Fritz Szepan erhält ein Angebot von Admira Wien: 1000 Mark im Monat. dazu gibt es 250 Mark sofort bar auf die Hand. Auch Ernst Kuzorra erhält ein Angebot. Angesichts der Weltwirtschaftskrise und der Not in Deutschland ein unglaubliches Angebot. Beide zögern. Fritz Szepan ruft den Notar Jersch, der zu dieser Zeit Vorsitzender des Westdeutschen Spielverbands ist, an und fragt nach, ob mit Schalkes baldiger Begnadigung zu rechnen ist. Als Jersch die Frage bejaht, sagen beide in Wien ab. Von den 250 Mark kauft sich Fritz Szepan einen Anzug.

1931

Im Februar werden Simon und Hennes Tibulski als erste begnadigt. Mit dem aus Münster gekommenen Hermann Mellage im Tor haben die Schalker wieder eine verläßliche Hintermannschaft zusammen.

Der DFB beschließt auf seiner Tagung in Dresden, den Vereinen die Zahlung einer höheren Aufwandsentschädigung zu gestatten.

Mit 13:19 Punkten und 30:25 Toren werden die Schalker am Ende Siebter (von neun Mannschaften) und schaffen den Klassenerhalt.

Im Mai tagt der DFB erneut und weist den Westdeutschen Spielverband an, alle Schalker Spie-ler Ende Mai zu begnadigen.

Am Montag, den 01. Juni kommt die Fortuna aus Düsseldorf zu einem Freundschaftsspiel in die Glückauf-Kampfbahn.

Die Glückauf-Kampfbahn platzt an diesem Tag aus allen Nähten. Über 70000 finden Einlaß in die Arena, die nur 35000 Personen Platz bietet, die restlichen 20000 müssen vor der Glückauf-Kampfbahn bleiben.

Das Spielfeld wird von berittener Polizei freigehalten, selbst auf den Toren sitzen die Zuschauer.

Schalke gewinnt durch ein Tor von Hennes Tibulski, der wenige Wochen später gegen Dänemark sein einziges Länderspiel absolviert, mit 1:0. Das Spiel und das Ergebnis sind Nebensache - Schalke ist wieder da.

Der Kreisel kommt ins Rollen


Die großen Schalker Jahre. Sechsmal holten die Königsblauen zwischen 1934 und 1942 die Meisterschaft an den Schalker Markt - einmal (1937) wurde der DFB-Pokal und damit das Double gewonnen. Schwerpunkt dieses Artikels, der die Jahre 1932 bis 1938 umfaßt, sollen aber nicht nur Endspiele und Titel sein. Die Schalker Rolle in der Nazizeit soll dagegen nur am Rande gestreift werden - wir verweisen auf den Artikel ´Lauter Siege oder Sieg Heil´.

1932

Zum ersten Mal erreichen die Königsblauen das Halbfinale in den Spielen um die Deutsche Meisterschaft. In der Vorrunde bereitet überraschend der SuBC Plauen den Schalkern die größten Probleme. Mit 5:4 n.V. retten sich die Blauen mit Ach und Krach in die nächste Runde.

In der Vorschlußrunde ist jedoch am 29.05. Eintracht Frankfurter in Dresden Endstation (1:2). Im Finale schlägt Bayern München die Eintracht. Trotz des rein süddeutschen Endspiels zählen die Westvereine (Schalke, Benrath und Düsseldorf) zu den stärksten Teams in Deutschlands.

In den Gruppenspielen um die Westdeutsche Meisterschaft werden die Schalker mit 32:4 Punkten und 71:13 Toren wieder Meister. In zwei Freundschaftsspielen werden die Frankfurter Eintracht am 08.08. mit 2:0 und der Deutsche Meister Bayern München am 30.10. mit 3:2 geschlagen.

1933

Schalke wird mit 31:5 Punkten und 69:20 Toren erneut Westdeutscher Meister. Nach der Machtergreifung der Nazis muß der Westdeutsche Spielverband seine Organisationsform aufgeben. Deutschland wird in 16 Gaue eingeteilt. In jedem Gau ist die Gauliga mit zehn Vereinen die oberste Spielklasse. Schalke wurde somit der letzte Westdeutsche Meister alten Stils.

Erstmals erreichen die Schalker das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Am 11.06. ist Fortuna Düsseldorf der Gegner in Köln. In den Gruppenspielen hatten die Schalker die Fortuna noch mit 1:0 geschlagen. Vor dem Finale beziehen die Schalker erstmals ein Trainingslager. Im Endspiel sind sie trotzdem chancenlos. Die überlegene Fortuna gewinnt mit 3:0. Viele behaupten später, die Spieler hätten im Trainingslager am Halterner Stausee den ganzen Tag in der Sonne gelegen und sich überhaupt nicht um den Fußball gekümmert.

Der frühere Nürnberger Bumbas Schmidt kommt als Trainer an den Schalker Markt. Als Aktiver hatte Schmidt 16 Länderspiele absolviert und war mit dem Club mehrmals Deutscher Meister geworden. Kurt Otto, bis 1933 Schalker Trainer, wird polnischer Nationaltrainer.

1934

Am 04.03. gewinnen die Schalker die erstmals ausgespielte Gaumeisterschaft. In diesem Jahr wird der Grundstein für eine beispiellose Siegesserie gelegt. Bis zur Saison 43/44 werden alle Gaumeisterschaften. gewonnen. In keiner Saison werden mehr als acht Punkte abgegeben.

In den Gruppenspielen um die Deutsche Meisterschaft qualifizieren sich die Schalker in dieser Zeit siebenmal als Gruppenerster für die Endrundenspiele, zweimal reicht es ´nur´ zum zweiten Platz, der ebenfalls zur Teilnahme an der Meisterschaftsendrunde berechtigt.

Zurück ins Jahr 1934. In den Gruppenspielen kommen die Königsblauen nur mit Mühe weiter. Gegen Werder Bremen, den VfL Benrath und TV Eimsbüttel leisten sich die Schalker zwei Niederlagen (0:1 zu Hause gegen Benrath und 2:3 in Eimsbüttel). Trotzdem reicht es zum Gruppensieg. Im Halbfinale wird Waldhof Mannheim mit 5:2 besiegt.

Am 24.06. ist es soweit. Im Berliner Poststadion wird der Club aus Nürnberg mit 2:1 geschlagen. Fritz Szepan in der 88. Minute und Ernst Kuzorra, Sekunden vor dem Abpfiff, sorgen für den ersten Meistertitel.

Den legendären Siegtreffer erzielt Kuzorra trotz eines Leistenbruchs. Er muß durchspielen, da das Auswechseln noch nicht erlaubt ist. Die Victoria steht in Gelsenkirchen bei Mutter Thiemeyer in der Vereinskneipe am Schalker Markt.

Bei der Fußballweltmeisterschaft in Italien ist mit Fritz Szepan nur ein Schalker dabei.

Am 16.12. findet im Duisburger Wedaustadion ein Repräsentativspiel Niederrhein gegen Westfalen statt. Die Westfalenauswahl besteht aus zehn Schalkern. Für Fritz Szepan spielt der Höntroper Jupp Timpert. Niederrhein gewinnt jedoch mit 4:0. Lag´s am Fehlen von Fritz Szepan?

1935

Bei den Spielen um die Westfalenmeisterschaft haben die Knappen erstmals Probleme. Mit zwei Punkten Vorsprung (28:8 Punkte) wird der Titel trotzdem noch gewonnen.

Im Sturm steht mittlerweile Ernst Poertgen, der von Altenessen über Nürnberg nach Schalke kam. Ein Grund für die schwachen Leistungen in den ersten Spielen ist auch das Fehlen von Fritz Szepan, der nach einem Meniskusriß im Nationalmannschafts-Testspiel gegen Brandenburg für etliche Wochen ausfällt.

In den Spielen um die Meisterschaft (wieder mit Fritz Szepan) setzen sich die Schalker deutlich gegen Eimsbüttel, Hannover 96 und den SC Stettin durch. Fünf Siege, lediglich in Eimsbüttel gibt es mit 1:2 wieder eine Niederlage.

Nach dem Halbfinalsieg gegen Polizei Chemnitz (3:2) ist der VfB Stuttgart im Finale vor 74 000 Zuschauern in Köln der Gegner. Bis zur Halbzeit schießen Urban, Poertgen und Gellesch ohne große Probleme eine 3:0-Führung heraus. Als Ernst Poertgen nach der Pause auf 4:0 erhöht, lassen es die Schalker locker angehen. Zwei Tore von Stuttgarts Mittelstürmer Bökle sind die Folge. Kalwitzki und Poertgen sichern mit ihren Treffern jedoch den 2. Meistertitel. Endstand: 6:4.

Beim Revanchespiel am 25.08. in Stuttgart fegen die Knappen den VfB mit 9:2 vom Platz.

Am 08.12. erreichen die Schalker zum ersten Mal das Pokalfinale, scheitern jedoch am Club aus Nürnberg in Düsseldorf mit 0:2.

Im Dezember findet in der Glückauf-Kampfbahn wieder ein Repräsentativspiel Niederrhein gegen Westfalen statt. Aus dem Fehler des Vorjahres hat man gelernt. Diesmal spielt die komplette Schalker Meisterformation für Westfalen. Vor 30 000 Zuschauern gewinnt Westfalen bzw. Schalke mit 4:2. Ala Urban trifft zweimal, dazu kommen noch die Treffer von Ernst Poertgen und Fritz Szepan.

In der Nationalmannschaft stehen neben Szepan mittlerweile auch Ernst Poertgen, Rudi Gellesch und Ala Urban.

Ernst Poertgen ist bis heute der erfolgreichste Torschütze im Nationaltrikot. Nur dreimal spielte er für Deutschland, trotzdem erzielte er fünf Treffer. Gegen Bulgarien (1935) und Luxemburg (1937) traf er je einmal, im 1936er Länderspiel gegen Luxemburg gleich dreimal.

1936

35:1 Punkte und 94:11 Tore haben die Schalker nach Abschluß der Saison 35/36. Lediglich bei Hüsten 09 reicht es nur zu einem 2:2.

Die Gruppenspiele um die Meisterschaft werden mit 10:2 Punkten beendet. Jeweils zwei Siege gegen den Berliner SV 92 und Hindenburg Allenstein sowie ein Sieg und eine Niederlage gegen Polizei Chemnitz reichen zum Einzug ins Halbfinale. Dort ist jedoch der Club aus Nürnberg Endstation. Mit 0:2 verlieren die Schalker in Stuttgart. Der Traum vom Meisterschafts-Hattrick ist geplatzt.

Am 20.06. wird Vorwärts Rasensport Gleiwitz im Spiel um den dritten Platz mit 8:1 geschlagen.

In Berlin finden die Olympischen Spiele statt. Ala Urban und Rudi Gellesch nehmen daran teil, Fritz Szepan und Ernst Kuzorra dürfen als Profis nicht teilnehmen. Nach dem 9:0 gegen Luxemburg ist bereits in der zweiten Runde Norwegen (0:2) Endstation. Reichstrainer Nerz wird durch Sepp Herberger abgelöst. Ernst Kuzorra kehrt in diesem Jahr wieder ins Nationalteam zurück.

Mit Ötte Tibulski debütiert ein weiterer Schalker in der Nationalmannschaft.

Von Gelsenkirchen 12 kommt Hans Klodt, der Hermann Mellage im Schalker Tor ablöst.

Nach neun Jahren Zweitklassigkeit steigt Borussia Dortmund in die Gauliga auf. Am 20.12. kommt es in der Glückauf-Kampfbahn zum ersten ´Revierderby´ seit 1927. Durch Tore von Berg, Kalwitzki und zweimal Poertgen siegen die Königsblauen mit 4:1.

1937

In Deutschland haben die Menschen unter der braunen Diktatur nichts mehr zu lachen. Schalke dagegen ist auf dem absoluten fußballerischen Höhepunkt. Am 18.05. wird Brentford London in der Glückauf-Kampfbahn durch Tore von Urban (3), Berg (2) und Kuzorra mit 6:2 deklassiert. Die englischen Profis hatten auf ihrer Rundreise durch Deutschland zuvor den HSV mit 3:0 und Hertha BSC mit 4:0 geschlagen.

In der Gauliga sichern sich die Schalker erneut mit 35:1 Punkten und 103:14 Toren überlegen den Titel. In den Spielen um die Gaumeisterschaft werden der SV Rotthausen mit 10:0, Erle 08 mit 12:1 und Lüdenscheid 08 mit 17:0 besiegt. Borussia Dortmund wird am 07.03. in Dortmund mit 7:0 vom Platz gefegt.

Mit 11:1 Punkten und 31:5 Toren setzen sich die Königsblauen in den folgenden Gruppenspielen gegen Werder Bremen, Hertha BSC und Viktoria Stolp durch.

Nach dem 4:2-Halbfinalsieg gegen den VfB Stuttgart ist am 20.06. erneut der Club aus Nürnberg der Finalgegner. Mittlerweile finden alle Endspiele in Berlin statt. Vor 100 000 Zuschauern siegen die Schalker durch Treffer von Poertgen und Kalwitzki mit 2:0.

Willi ´der Schwatte´ Koslowski und Hans Nowak, zwei Spieler der späteren Meistermannschaft von 1958 werden in diesem Jahr geboren.

1938

Das Pokalendspiel 1937 findet erst am 09.01.1938 in Köln statt. Gegner ist Fortuna Düsseldorf. Durch Tore von Kalwitzki und Szepan gehen die Schalker mit 2:0 in Führung. Nachdem Bornemann einen Ball mit der Hand von der Torlinie schlägt, erzielt Düsseldorfs Verteidiger Paul Janes in der 82. Minute den Anschlußtreffer. Der knappe Vorsprung wird bis zum Schluß verteidigt.

In der Gauliga reicht es diesmal ´nur´ zu 34:2 Punkten. In den Gruppenspielen um die Meisterschaft sind der Berliner SV 92, Dessau 05 und der VfR Mannheim die Gegner. Dessau wird mit 6:0 und 6:1 geschlagen und gegen Berlin erreichen die Schalker ein 1:1 und ein 3:0. Der dicke Brocken sind jedoch die Mannheimer. Nach einem 2:2 in Mannheim verlieren die Schalker in der Glückauf-Kampfbahn mit 1:2.

Das Erreichen des Halbfinales ist damit fast unmöglich geworden. Wenn nicht Dessau im letzten Spiel für die große Sensation gesorgt hätte und den Mannheimern ein Unentschieden abgetrotzt hätte. Aufgrund des besseren Torverhältnisses erreichen die Königsblauen die Vorschlußrunde gegen Fortuna Düsseldorf. Dort nutzt Kalwitzki bereits in der 8. Minute einen Fehler in der Düsseldorfer Abwehr zum 1:0. Es bleibt bis zum Abpfiff bei diesem Ergebnis.

3:3 endet das Endspiel am 26.06. in Berlin. Bis kurz vor Schluß führen die Schalker mit 3:1. Ein Eigentor von Gellesch sorgt für das 3:2, Sekunden vor Schluß erzielt der Hannoveraner Malecki den Ausgleich aus klarer Abseitsseitsstellung. Schiedsrichter Peters ist der Buhmann der Schalker. Von Schiebung ist die Rede.

Acht Tage später pfeift der Regensburger Schiedsrichter Grabler das Wiederholungsspiel. Er übertrifft Peters um Längen.

In der 1. Minute wird ein Tor von Kalwitzki aus unerfindlichen Gründen nicht anerkannt. Drei Minuten vor Schluß führt Schalke noch mit 3:2, das zweite Hannoveraner Tor ist ein unberechtigter Handelfmeter. Der Hannoveraner Petzold rettet kurz vor Schluß mit der Hand im Torraum - Grabler pfeift nicht. In der 87. Minute gleicht Hannover aus, in der Verlängerung erzielen die Niedersachsen den Siegtreffer. Die Zuschauer toben. Für jeden ist deutlich, daß das Spiel verschoben wurde. Zunächst kann niemand das Verhalten des Schiedsrichters erklären.

Abends beim Meisterschaftsbankett läßt Reichssportführer von Tschammer und Osten die Katze aus dem Sack: "Es mußte mal eine andere Mannschaft als Schalke Deutscher Meister werden, sonst wäre es langweilig geworden. Die anderen haben ja schon richtig Angst ins Endspiel zu gehen, weil sie ja doch von Schalke geschlagen werden."

Trainer Bumbas Schmidt verläßt Schalke mit den Worten: "Mehr kann ich euch nicht beibringen." Obwohl die Schalker Schmidt unbedingt halten wollen, verläßt Schmidt den Schalker Markt. Otto Faist, früherer süddeutscher Meister im 800-Meter-Lauf, wird sein Nachfolger. Ernst Poertgen verabschiedet sich ebenfalls. Der frühere Altenessener verläßt Gelsenkirchen aus privaten Gründen und zieht ins Siebengebirge. Als neuer Mittelstürmer kommt der erst 18jährige Hermann Eppenhoff aus Röhlinghausen nach Schalke.

Hans Klodt und Walter Berg werden von Sepp Herberger in die Nationalmannschaft berufen. Gegen Ungarn absolviert Ernst Kuzorra sein letztes Länderspiel.

In Deutschland hat sich in den fünf Jahren Naziherrschaft einiges verändert. Hitlers Politik zielt deutlich auf Kriegsvorbereitung. Auch die meisten Schalker werden als Soldaten eingezogen, haben aber zunächst noch den Vorteil, daß sie für Spiele und Training freigestellt werden. Eine Vergünstigung, die schnell verschwinden sollte.

"Bombenspiele" - dann Bombenterror


Die großen Schalker Jahre, immer noch. Zwischen 1939 und 1944 holten die Knappen drei Meistertitel, gewannen astronomisch hoch gegen den BVB. Doch das Wort "Schützenfest" bekommt eine bittere Bedeutung. Am Ende gewinnt nur noch einer - der Krieg.

1939

Nach der Gaumeisterschaft setzen sich die Knappen in den Gruppenspielen zur Deutschen Meisterschaft gegen Wormatia Worms, Vorwärts Rasensport Gleiwitz und den Kasseler SC mit 10:2 Punkten überlegen durch.

Am 12. März kommt es im Dortmunder Stadion Rote Erde vor 28 000 Zuschauern mal wieder zu einem Schützenfest. Bereits nach 15 Minuten führen die Schalker durch Tore von Urban, Hinz und Kuzorra mit 3:0. Danach reißt der Faden. Mit 2:3 geht es in die Kabinen, direkt nach Wiederanpfiff fällt zum Schrecken der zahlreichen Schalker Fans der Ausgleich.

Ala Urban besorgt jedoch kurz danach wieder die 4:3-Führung. Danach gibt es keine Dortmunder Gegenwehr mehr. Dem 5:3 durch Fritz Szepan folgt Ernst Kuzorras verwandelter Elfmeter zum 6:3. Hinz sorgt mit seinem 7:3 für den Endstand.

In der Vorschlußrunde ist der Dresdener SC der Gegner. Mittelstürmer der Dresdener ist Helmut Schön. 3:3 steht es nach Verlängerung im Berliner Olympiastadion. Im Wiederholungsspiel gewinnt Schalke dank eines überragenden Hermann Eppenhoff mit 2:0.

Im Endspiel am 18.06. ist Admira Wien der Gegner. Es wird das unglaublichste Endspiel des deutschen Fußballs. Bereits in der ersten Minute trifft Hermann Eppenhoff die Latte. Danach geht es Schlag auf Schlag:

1:0 Kalwitzki, 2:0 Urban, 3:0 Kalwitzki, 4:0 Kalwitzki, Halbzeit, 5:0 Tibulski, 6:0 Kalwitzki, 7:0 Kalwitzki, 8:0 Szepan, 9:0 Kuzorra

Am Ende stehen nur noch acht Wiener auf dem Platz. Zuerst wird Klacl nach einem Kinnhaken gegen Fritz Szepan des Feldes verwiesen.

Danach verletzen sich Vogl und Mirschitzka. Auswechseln gab´s damals bekanntlich noch nicht. Selbst ein Elfmetergeschenk des Dresdener Schiris Schulz kann der Wiener Schilling nicht zum Ehrentreffer nutzen. Wiens Klacl wird für seinen Kinnhaken lebenslänglich gesperrt.

Am 10.12. kommt es zum Meisterschaftsspiel gegen Borussia Dortmund. Die Hoffnung des BVB auf ein achtbares Ergebnis schwindet schnell. Bereits zur Pause steht es 5:0, am Ende haben Kalwitzki und Szepan je dreimal, Barufka zweimal und Schrader einmal getroffen - 9:0.

1940

Im Frühjahr werden die Gruppen für die Spiele zur Deutschen Meisterschaft - Schalke war mit 32:4 Punkten wieder Gaumeister geworden - erstmals nach regionalen Gesichtspunkten zusammengestellt.

Schalke muß mit den übrigen Meistern des Westens, Fortuna Düsseldorf, Mülheimer SV und Kassel 03 in einer Gruppe spielen. Der Mülheimer SV wird mit 5:0 und 8:2 besiegt, gegen Kassel behalten die Schalker mit 5:2 und 16:0 die Oberhand.

Gegen die Düsseldorfer Fortuna spielen die Knappen zweimal Unentschieden, 0:0 und 1:1. Da die Mülheimer die Düsseldorfer mit 2:1 besiegen, erreichen die Schalker als Gruppensieger die nächste Runde.

Nach dem 3:1-Halbfinalsieg gegen Waldhof Mannheim kommt es am 21.07. im Berliner Olympiastadion zum Endspiel gegen den Dresdener SC. Nach der frühen Schalker Führung durch Kalwitzki plätschert das Spiel vor sich hin. Von den Dresdener gibt es so gut wie keine ernsthaften Bemühungen, den Ausgleich zu erzielen. Nach 90 Minuten steht es immer noch 1:0 - Schalke ist zum fünften Mal Deutscher Meister.

Am 20.10. steht wieder das Derby gegen Borussia Dortmund auf dem Spielplan. Schon nach 2 Minuten eröffnet Ernst Kuzorra in der Glückauf-Kampfbahn den Torreigen, zur Halbzeit steht es bereits 5:0.

Am Ende haben Ernst Kuzorra viermal und Ernst Kalwitzki zweimal getroffen. Schuh, Eppenhoff, Füller, Szepan und treffen je einmal - 10:0 der bisher höchste Sieg im Revierderby.

Hermann Eppenhoff gibt gegen die Slowakei sein Debüt in der Nationalmannschaft.

1941

Mit dem 5:1 gegen den VfL Bochum am 30.03. sorgen die Schalker für einen neuen Rekord in den Spielen um die Gaumeisterschaft. 43:1 Punkte stehen am Ende auf dem blau-weißen Konto. Nur Westfalia Herne hatte es geschafft, den Knappen beim 1:1 einen Punkt abzuknöpfen.

In den Gruppenspielen setzen sich die Schalker gegen Hannover 96, Borussia Fulda und den Hamburger SV durch. Nach einem 4:1 im Halbfinale gegen den VfL Köln geht es im Finale gegen Rapid Wien. Das Endspiel findet am 22.06. vor 95 000 Zuschauern in Berlin statt - am gleichen Tag überfällt die deutsche Armee die Sowjetunion.

Durch zwei Treffer von Hinz führen die Schalker zur Pause bereits mit 2:0. Kurz nach Wiederanpfiff erhöht Hermann Eppenhoff auf 3:0. Dreimal hintereinander Deutscher Meister zu werden - das war zuvor noch keinem Verein gelungen. Und es sollte den Schalkern auch nicht gelingen.

Denn es wird der große Tag von Rapids Mittelstürmer Bimbo Binder. Und von Schiedsrichter Reinhardt aus Stuttgart. Nach dem Wiener Anschlußtreffer durch Schors gibt es drei Elfmeter hintereinander gegen Schalke, jedesmal soll Binder gefoult worden sein. Der erste Strafstoß geht vorbei, die anderen beiden sorgen für den Ausgleich. Kurz vor Schluß erzielt Binder das 4:3 für Wien. Beim anschließenden Bankett weigert sich Ernst Kuzorra, die Ehrennadeln für den Vizemeister anzunehmen. Fast alle waren sich einig: Schalke sollte nicht schon wieder Meister werden.

Im Pokal erreichen die Schalker nach vier Jahren wieder das Finale in Berlin. Die frühe Dresdener Führung durch Kugler gleicht Ernst Kuzorra in der 51. Minute aus, doch im Gegenzug fällt durch Carstens die erneute Dresdener Führung. Bei diesem 2:1 bleibt es bis zum Abpfiff.

Noch ein Schalker rückt in die Nationalmannschaft. Gegen die Finnen gibt Herbert Burdenski sein Debüt.

1942

Von einem normalen Spielbetrieb kann kaum noch die Rede sein. Die Spieler werden immer seltener freigestellt, auch die siebzehn- und achtzehnjährigen Nachwuchsspieler müssen in den Krieg ziehen. Nur die Vereine mit einem großen Spielerkader können ihr spielerisches Niveau halten.

In den Spielen um die Gaumeisterschaft hat Schalke nichts zu befürchten. Die Gegner werden teilweise zweistellig nach Hause geschickt (z.B. 12:0 gegen SpVgg Herten und 11:1 gegen Arminia Bielefeld).

Erstmals werden die Spiele um die Deutsche Meisterschaft nach dem K.O.-System ausgespielt. Nach dem 2:0-Sieg gegen Stade Düdelingen ist im Achtelfinale der 1.FC Kaiserslautern der Gegner. In den Reihen der Lauterer steht an diesem Tag ein junger Mittelstürmer, dessen Name später weltbekannt werden sollte: Fritz Walter. Doch an diesem Tag ist ein guter Mittelstürmer zu wenig. Mit 9:3 werden die Kaiserslauterner besiegt.

Im Viertelfinale wird Straßburg mit 6:0 geschlagen. Mit dem gleichem Ergebnis wird im Halbfinale Kickers Offenbach nach Hause geschickt.

Am 05.07. steht Schalke wieder im Finale. Und wieder kommt der Gegner aus dem angeschlossenen Österreich - Vienna Wien. Die Schalker schaffen es, für dieses Spiel noch einmal alle Spieler zusammen zu bekommen, nur Gellesch fehlt.

Ernst Kalwitzki und Fritz Szepan schießen den 2:0-Endstand heraus - damit wird Schalke zum sechstenmal Deutscher Meister und egalisiert damit den Rekord des Nürnberger Clubs.

Auch das Pokalfinale wird wieder erreicht. Doch aus dem Double wird nichts. 1860 München siegt durch zwei Treffer durch Willimowski und Schmidhuber kurz vor Schluß mit 2:0.

1943

In den Spielen um die Deutsche Meisterschaft starten die Schalker mit zwei Siegen gegen SV Kassel (8:1) und Wilhelmshaven (4:1). In der Zwischenrunde scheitern die Knappen mit 1:4 gegen Holstein Kiel.

Im Mai stirbt Ala Urban im Krieg, er liegt auf dem Soldatenfriedhof in Ilmensee begraben. Walter Berg und Natz Füller werden ebenfalls Opfer des Krieges.

Am 10. Oktober wird Reinhard "Stan" Libuda geboren.

1944

Die Zeit der großen Traditionsmannschaften ist vorbei. Die Garnisonsmannschaften mit den stärksten Gastspielern geben mittlerweile den Ton an. Trotzdem dominieren die Schalker noch immer die Spiele um die Gaumeisterschaft. Mit 31:3 Punkten erringen die Schalker Ende März noch einmal den Titel des Gaumeisters.

Ernst Kuzorra ist inzwischen 38 Jahre, Fritz Szepan 36 Jahre alt. Am 19. November wird Klaus Fichtel geboren.

In der ersten Runde in den Spielen um die Deutsche Meisterschaft wird die KSG Köln mit 5:0 besiegt, in der nächsten Runde ist die KSG Duisburg jedoch Endstation. Mit 1:2 verlieren die Schalker Ende Mai in der Duisburger Wedau.

Trotz der zunehmenden Bombardierung will der Westdeutsche Spielverband im Herbst noch eine Meisterschaftsrunde starten. Das erste Spiel in Witten ist auch das letzte.

Beim Stand von 6:2 für die Königsblauen erscheinen die Jagdbomber. Das nächste Spiel gegen Westfalia Herne findet nicht mehr statt.

Am 4. November stirbt Papa Unkel, der über zwei Jahrzehnte der ruhende Pol des blau-weißen Schiffes war. In Gelsenkirchen wird die Glückauf-Kampfbahn zerstört, das Spielfeld ist ein einziges Bombentrichterfeld, der Schalker Markt ein Haufen Trümmer. In Mutter Thiemeyers Gaststätte werden sämtliche Pokale seit 1924 vernichtet. Der Krieg zerstörte alles, nahm auf nichts und niemanden Rücksicht. Auch nicht auf Ausnahmefußballer.

Der Lorbeer welkt


Juli 1945 - die Glückauf-Kampfbahn ist immer noch ein großes Trümmerfeld. Nach und nach kehren Spieler der großen Meistermannschaft aus dem Krieg zurück. Ala Urban, Natz Füller und Walter Berg haben den Krieg nicht überlebt. Hermann Eppenhoff, Schuh und Walter Zwickhofer befinden sich noch in Kriegsgefangenschaft.

Ernst Kalwitzki ist zu Rhenania Köln gewechselt, Rudi Gellesch nach Lübbecke gezogen. Karl Barufka spielt in Stuttgart. Robert Nattkämper, Ernst Poertgen, Ferdl Zajons und Tullux Valentin haben die Fußballschuhe endgültig ausgezogen.

Vom alten Stamm sind noch Hans Klodt, Ernst Kuzorra, Fritz Szepan, Ötte Tibulski und Otto Schweisfurth übrig geblieben. Kuzorra ist mittlerweile 40, Szepan 38 Jahre alt.

Die Schalker reisen über die Dörfer und absolvieren "Bratkartoffelspiele". Die Antrittsprämie wird mit Lebensmitteln bezahlt, die Königsblauen bedanken sich mit einer Torflut.

Bei allen Auftritten gehen die Schalker als Sieger vom Platz. Den Auftakt macht am 22. Juli das 7:1 gegen die Stadtauswahl von Wanne. Danach folgen u.a. ein 15:0 in Sonnborn, das 19:1 in Byfang oder ein 10:1 in Westerholt.

1946

Immer noch wird für Kartoffeln und andere Nahrungsmittel gekickt. Erwitte, Lemgo, Leer und Röhlinghausen stehen zum Beispiel auf dem Spielplan.

Im Frühjahr wird der Westdeutsche Fußballverband in Essen wieder ins Leben gerufen. Ihr erstes Meisterschaftsspiel tragen die Schalker am 9. März gegen Alemannia Gelsenkirchen (4:1) aus.

Am 7. Juli findet das erste Spiel in der wiederaufgebauten Glückauf-Kampfbahn statt. Westfalia Herne wird durch je zwei Tore von Hinz und Winkler sowie einem Treffer von Berni Klodt mit 5:0 geschlagen.

Im September sind nacheinander der süddeutsche Meister VfB Stuttgart und der Nordmeister Hamburger SV in der Glückauf-Kampfbahn zu Gast. Die Schwaben werden mit 7:1 deklassiert, die Hamburger müssen mit der Erinnerung an einen 2:0-Sieg der Schalker durch Treffer von Winkler und Gawliczek zurück an die Alster fahren.

1947

Zu Jahresbeginn stellen die Knappen einen Rekord auf. In der Westfalenliga müssen sie am 23. Februar auswärts am Hertener Katzenbusch gegen die Spielvereinigung Herten antreten. Im Hertener Schnee veranstalten die Königsblauen ein Schützenfest und fahren mit einem 20:0 im Gepäck zurück nach Gelsenkirchen. Elffacher Torschütze in diesem Spiel: Herbert Burdenski.

Die Spiele der Westfalenliga werden in zwei Gruppen ausgetragen. Die Knappen werden mit 34:2 Punkten überlegen Gruppensieger. In der anderen Gruppe dominieren die Dortmunder Borussen. Der Westfalenmeister muß in einem Entscheidungsspiel ermittelt werden.

Am 18. Mai kommt es am Schloß Strünkede in Herne zum Aufeinandertreffen der beiden alten Rivalen. Hinz schießt die Knappen zwar kurz vor der Pause in Führung, doch in der 53. Minute gleicht der Dortmunder Michallek zum 1:1 aus. Nach dem 2:1 durch Ötte Tibulski erlebt Hans Klodt einen der schwärzesten Tage seiner Torwartkarriere. Erst rutscht ihm ein Weitschuß des BVB-Verteidigers Ruhmhofer zum 2:2 durch die Hände. Und fünf Minuten vor Schluß stürzt er bei einer Abwehr im Strafraum und muß am Boden liegend mitansehen, wie Sandmann den 3:2-Endstand herausschießt.

Dieser Sieg bedeutet eine Wende im Westen. Der ewige Zweite Borussia Dortmund zieht erstmals an den Schalkern vorbei. Liegen vielleicht hier die Wurzeln einer Rivalität, die noch Jahrzehnte später existieren sollte?

Im Herbst startet wieder der Oberligabetrieb. Vor 30 000 Zuschauern erkämpfen sich die Schalker im ersten Spiel ein 2:2 bei Hamborn 07. Am zweiten Spieltag kommt es beim ersten Heimspiel zum Duell gegen Borussia Dortmund. Die Halbzeitführung der Dortmunder gleicht Herbert Burdenski kurz nach dem Wiederanpfiff zum 1:1-Endstand aus.

Aber die Schalker Mannschaft ist nicht wiederzuerkennen. Heimniederlagen gegen die SpVgg Erkenschwick, Fortuna Düsseldorf und die STV Horst-Emscher sorgen für eine enttäuschende Hinrunde.

1948

Auch die Rückrunde der ersten Oberligasaison bringt keine Besserung. Am Saisonende stehen die Knappen mit 24:24 Punkten auf dem sechsten Tabellenplatz.

Gawliczek und Winkler wechseln zu ihren Heimatvereinen Meiderich bzw. Essen zurück. Fritz Szepan hatte fast die ganze Saison wegen einer schweren Knieverletzung ausgesetzt. Der Schalker Lorbeer welkt.

1949

Es kommt noch dicker: Nach Abschluß der Oberligasaison 48/49 stehen die Knappen auf dem 12. (und damit vorletzten) Platz in der Tabelle. In der Relegationsrunde müssen sie gegen Bayer Leverkusen und VfL Benrath antreten. Nur der Gruppensieger bleibt in der Oberliga. Es sieht bedenklich nach Abstieg und Absturz aus. Die Mannschaft ist am absoluten Tiefpunkt angelangt.

Nach Abschluß der Oberligarunde, aber noch rechtzeitig vor Beginn der Relegationsspiele kehren im Sommer Walter Zwickhofer und Hermann Eppenhoff aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Beide beherrschen immer noch das berühmte Schalker Kombinationsspiel, den Kreisel, und können der desolaten königsblauen Truppe den Rückhalt geben, der im Abstiegskampf nötig ist.

Im ersten Spiel wird Bayer Leverkusen mit 1:0 besiegt. Am 21. August treffen dann im Wuppertaler Zoo-Stadion Schalke und Benrath aufeinander. Vor 35 000 Zuschauern spielen die Schalker wie entfesselt auf. Matzek (3), Grzella (3), Zwickhofer (2) und Groß schießen einen 9:0-Sieg heraus. Schalke hat den Klassenerhalt noch einmal geschafft. Der sechsmalige Deutsche Meister jubelt über den Oberliga-Klassenerhalt. Die Zeiten haben sich geändert.

Im gleichen Jahr werden die Kremers-Zwillinge und Klaus Fischer geboren.

1950

Langsam geht es wieder aufwärts. Am Saisonende stehen die Schalker auf dem sechsten Tabellenplatz. Viel wichtiger aber ist für viele Schalker Fans der 12. März. 50 000 Zuschauer drängeln sich an diesem Tag in die Glückauf-Kampfbahn. Ränge, Aschenbahn und Bäume - alles ist total überfüllt. Es ist wieder Revierderby. Schalke gegen den BVB elektrisiert die Massen. Zwei Tore von Behring und Matzkowski sorgen für ein 2:1 - der erste Schalker Sieg in einem Revierderby der Nachkriegszeit. Die Sportpresse schreibt von einer Siegesfeier der Königsblauen, als hätten sie gerade ihre siebte Deutsche Meisterschaft errungen.

Der Neuaufbau, längst überfällig, beginnt. Albert Wildfang löst Josef Wietfeld als Vereinspräsident ab. Trainer der Knappen ist mittlerweile Fritz Szepan. Heia Dargaschewski, Paul Matzkowski, und Berni Klodt sind die Stützen der neuen Schalker Mannschaft. Von der alten Truppe sind noch Hermann Eppenhoff und Walter Zwickhofer dabei.

Am 12. November ist der brasilianische Meister Athletico Mineiros Belo Horizonte in Gelsenkirchen zu Gast. Es ist das Abschiedsspiel für den mittlerweile 45jährigen Ernst Kuzorra und seinen zwei Jahre jüngeren Schwager Fritz Szepan. Beide spielen noch einmal eine halbe Stunde und gehen dann Arm in Arm vom Platz. Schalke verliert dieses Spiel mit 1:3, das Ergebnis ist jedoch für alle Beteiligten vollkommen bedeutungslos.

1951

Ein altes Schalke-Gefühl kommt wieder auf. Hohe Siege, zum Beispiel 8:0 gegen Borussia Mönchengladbach und 8:1 gegen Preußen Dellbrück (sechs Tore durch Kleina), sorgen während der ganzen Saison für einen Spitzenplatz.

Am vorletzten Spieltag ist wieder der BVB in der Glückauf-Kampfbahn zu Gast. Die Schalker liegen vor dem Spiel der Spiele punktgleich mit Preußen Münster an der Tabellenspitze, die Dortmunder mit gerade mal einem Pünktchen Rückstand auf dem dritten Platz.

40 000 Zuschauer gegen nach dem Spiel enttäuscht nach Hause. Ein absolut langweiliger Kick endet 0:0. Auf Schalker Seite fehlen mit Berni Klodt und Hermann Eppenhoff zwei wichtige Angriffsspieler. Trainer Fritz Szepan setzt deshalb auf die totale Defensive und tritt ohne Stürmer an. Der einzige Angreifer auf dem Papier ist Matzek - er spielt Innenverteidiger.

Im Nachhinein erweist sich die für die Zuschauer langweilige Taktik jedoch als richtig. Mit einem 4:1 im letzten Spiel gegen Katernberg am 29. April sichern sich die Schalker die erste Meisterschaft in der Oberliga West. Zum ersten Mal spielen die Knappen nach dem Krieg in den Gruppenspielen um die Deutsche Meisterschaft mit.

Der Start verläuft katastrophal. Die Gegner heißen St. Pauli, SpVgg Fürth und 1.FC Kaiserslautern. Nach der Hinrunde stehen 1:5 Punkte auf dem Konto. Eine Heimniederlage (1:2) gegen Pauli, ein 0:0 in Fürth und ein 0:1 in Kaiserslautern sind zu wenig.

Die Aufholjagd in der Rückrunde ist jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Drei Siege sorgen am Ende zwar für 7:5 Punkte und Platz zwei, aber laut Reglement zieht nur der Gruppensieger Kaiserslautern mit Kapitän Fritz Walter in die nächste Runde ein.

1952

Ein neuer Konkurrent im Westen. Rot-Weiß Essen sichert sich überlegen die Oberligameisterschaft. Mit fünf Punkten Rückstand werden die Schalker Zweiter und nehmen ebenfalls an den Gruppenspielen um die Deutsche Meisterschaft teil.

Mit mäßigem Erfolg. Ein 3:0-Sieg gegen den Hamburger SV, ein 2:2 in Nürnberg und vier Niederlagen sorgen für den letzten Gruppenplatz. Die Schalker Mannschaft erweist sich als Torso: 22 Gegentore in sechs Gruppenspielen. Weder Heinz Kersting noch Hartenstein können als Keeper dieses Debakel verhindern.

Dafür überstehen die Schalker erstmals die Regionalrunden im DFB-Pokal und erreichen die 1. Hauptrunde. Dort ist aber schon im ersten Spiel am 17. August Borussia Neunkirchen Endstation (1:2).

1953

In den Oberligaspielen ist wieder Durchschnitt angesagt. Ein sechster Tabellenplatz ist am Ende die Ausbeute. Der Rechtsanwalt Albert Möritz löst den bisherigen Präsidenten Josef Wietfeld ab.

Am Schalker Markt wächst langsam eine völlig neue Mannschaft heran. Torwart Heini Kwiatkowski wechselt nach Dortmund. Dafür tauchen andere junge Spieler auf: Manni Orzessek hütet das Schalker Tor, Helmut 'Catcher' Sadlowski und Günter Brocker verteidigen.

Im Sturm geht ein 23jähriger Hesse, der von Kassel 03 zu den Knappen gewechselt ist, auf Torejagd. Von den Journalisten wird er nicht wegen seiner Spielweise, sondern nach seinem Leibgericht Forelle genannt: Günter Siebert. Kein Superfußballer, meinen Beobachter, aber dafür ein durchschlagskräftiger Stürmer mit einem gewaltigen und sicheren Schuß.

1954

Schalke wird 50. Jubel, Trubel, Heiterkeit nicht nur am Schalker Markt. Am 1. August findet das Jubiläumsspiel gegen den Club aus Nürnberg statt, das die Knappen mit 3:1 für sich entscheiden.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz ist Berni Klodt dabei. In der Vorrunde gehört er in den beiden Spielen gegen die Türkei noch zur Mannschaft, im Finale gegen die Ungarn im Berner Wankdorf-Stadion ist er nicht mehr dabei, weil auf seiner Position Helmut Rahn den Vorzug bekommt.

Am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft wird der Wiener Edi Frühwirth als neuer Trainer verpflichtet. Sein Vorgänger Fritz Szepan war zuvor auf eigenen Wunsch zu Rot-Weiß Essen gewechselt, mit denen er zwei Jahre später Deutscher Meister werden sollte. auf nichts und niemanden Rücksicht. Auch nicht auf Ausnahmefußballer.

Erst Flutlicht, dann Lichtblick


Häßliche letzte Spielminuten, böse Karlsruher: Nach dem 50. Geburtstag muß Schalke allerhand Unbill überstehen. Doch dann kam das (Flut-)Licht und am Ende wurde alles gut, wie im Märchen. Teil 6 unserer Serie über die Knappen in den Jahren 1955 bis 1958.

1955

Edi Frühwirth, im Jahr zuvor als neuer Trainer verpflichtet, beginnt mit dem Umbau der Schalker Mannschaft. Otto Laszig, Piontek und Helmut Jagielski rücken in die erste Mannschaft auf, aus Kassel kehrt Günter Siebert wieder zurück. Frühwirth legt viel Wert auf ein schnelles Reaktionsvermögen seiner Spieler. In der ersten Mannschaftsbesprechung stößt er nebenbei einen Aschenbecher vom Tisch. Der Einzige, der aufspringt, um das gute Stück zu retten, ist Walter Zwickhofer.

In den Oberliga-Spielen zahlt sich das Spezialtraining aber zunächst nicht aus. Am Ende der Saison stehen die Schalker mit fünfzehn Punkten Rückstand auf den Oberligameister Rot-Weiß Essen auf Platz 5. Hauptgrund ist die Niederlagenserie in den letzten Spielen der Rückrunde. Die Mannschaft konzentriert sich diesmal offensichtlich auf die Pokalspiele.

Die einzelnen Pokalrunden sind jedoch nichts für schwache Nerven. Bei Jahn Regensburg kassieren die Schalker in der 1. Runde kurz vor Schluß den 1:1-Ausgleich und auch im Wiederholungsspiel in der Glückauf-Kampfbahn haben die Knappen große Probleme. Zwar führen sie bereits nach 15 Minuten mit 3:0, lassen aber dann die Zügel schleifen. Zur Halbzeit führt plötzlich Regensburg mit 4:3. Zwei Sadlowski-Tore und ein Elfmeter von Paul Matzkowski in der Schlußminute sorgen dann doch noch für einen glücklichen 6:4-Erfolg.

In der zweiten Runde ist Schweinfurt 05 zu Gast. Zwar erzielt Soya bereits in der 9. Minute den Schalker Führungstreffer, doch auch hier fällt kurz vor Schluß der 1:1-Ausgleich der Schweinfurter. Im Rückspiel erzielt Hansi Krämer den 1:0-Siegtreffer für die Blauen in der 73. Minute.

Im Viertelfinale gegen Bremerhaven 93 brauchen die Schalker bis zur 80. Minute, um in der Glückauf-Kampfbahn durch ein Freistoßtor von Günter Brocker in Führung zu gehen. Drei Minuten vor Schluß sorgt wiederum Brocker per Elfmeter für den 2:0-Endstand.

30 000 Zuschauer sehen am 7. April in Wuppertal das Halbfinale, bei dem sich Schalke und Kickers Offenbach gegenüberstehen. Schon nach zwei Minuten steht es 1:0 für die Kickers, die auch im weiteren Verlauf die spielbestimmende Mannschaft sind.

Trotzdem fällt in der 28. Minute der Ausgleich durch Wilmovius. Nach dem Wechsel gibt es Einbahnstraßen-Fußball: Offenbach stürmt und Schalke mauert. Sieben Minuten vor Schluß lenkt der Offenbacher Kemmerer den Ball bei einem der wenigen Schalker Konter ins eigene Netz. Dabei bleibt es. Mehr als glücklich ziehen die Knappen ins Pokalendspiel ein.

Am 21. Mai ist in Braunschweig der Karlsruher SC Endspielgegner. Den Karlsruher Führungstreffer durch einen Kopfball von Kunkel gleicht Manfred Sadlowski nach einer Flanke von Berni Klodt mit dem Pausenpfiff aus. Wiederum Sadlowski bringt die Schalker in der 70. Minute mit 2:1 in Führung. Bis kurz vor Schluß sieht alles nach dem zweiten Schalker Pokalsieg aus. Ein Doppelschlag in der 85. Minute durch Sommerlatt und Traub, der den Ball fast von der Eckfahne aus ins Netz setzt, reißt die Knappen jedoch aus allen Träumen. Karlsruhe holt sich den Pokal.

1956

Die Arbeit von Edi Frühwirth trägt weitere Früchte. Als Zweiter der Oberliga Westfalen nehmen die Knappen an den Spielen um die Deutsche Meisterschaft teil.

In den beiden Heimspielen gegen Hannover 96 und den 1.FC Kaiserslautern gewinnen die Schalker mit 3:1. In Hannover heißt es am Ende 4:0 für die Knappen, während das Spiel auf dem Betzenberg 4:4 endet. Hier zeigt sich wieder, daß die Schalker keinen Vorsprung über die Zeit bringen können. Fünf Minuten vor Schluß heißt es noch 4:2 für die Blau-Weißen, dann treffen noch Wenzel und Scheffler für die roten Teufel.

Das eigentlich Schalker Problem heißt jedoch wieder Karlsruher SC. In der Glückauf-Kampfbahn siegen die Badener mit 3:0. Am letzten Spieltag müssen die Schalker nach Karlsruhe reisen. In der Tabelle sind die Königsblauen zu diesem Zeitpunkt Erster und haben zwei Punkte Vorsprung auf die Karlsruher. Ein Unentschieden würde die Endspielteilnahme bedeuten.

Zweimal gehen die Schalker durch Tore von Hansi Krämer und Otto Laszig in Führung, zweimal gleicht Karlsruhe bis zur Pause noch aus. Der 3:2-Siegtreffer durch Beck in der 79. Minute beendet alle Schalker Hoffnungen auf das Endspiel - wieder ist man an den Karlsruhern gescheitert.

Am 22. Dezember wird in der Glückauf-Kampfbahn die Flutlichtanlage mit einem Freundschaftsspiel gegen UDA Prag eingeweiht. Zugleich ist es das Abschiedsspiel für den letzten Aktiven aus den Meistermannschaften der Vorkriegszeit: Hermann Eppenhoff.

1957

Die Blauen spielen auch in dieser Saison wieder oben mit. Am Ende werden sie jedoch nur Vierter, drei Punkte hinter dem Duisburger SV, der als Tabellenzweiter an den Spielen um die Deutsche Meisterschaft teilnehmen darf.

Mit Willi Koslowski, der auf der Zeche Hugo arbeitet, steht aber wieder ein echter Knappe in der Mannschaft.

1958

Die Schalker machen es unnötig spannend. Am vorletzten Spieltag geht das Heimspiel gegen den Tabellenzweiten 1.FC Köln mit 2:3 verloren - die Entscheidung um den Meistertitel wird vertagt. Das letzte Meisterschaftsspiel am 13.04 gewinnen die Knappen beim SV Sodingen mit 1:0 und sichern sich mit einem Punkt Vorsprung vor den Kölnern den Titel des Westfalenmeisters.

Die Fußball-WM in Schweden steht vor der Tür. Neben Berni Klodt kommt auch Heiner Kördell im Dreß der Nationalmannschaft zum Zug. Gegen Ägypten bestreitet er sein einziges Länderspiel.

Aus Zeitgründen wird die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft in zwei Gruppen gespielt, wobei es nur zu jeweils einem Aufeinandertreffen auf neutralem Platz kommt. 4:1 gegen Eintracht Braunschweig, 9:0 gegen Tennis Borussia Berlin und 3:0 gegen den Karlsruher SC - die Blauen sichern sich überlegen den Gruppensieg. In der anderen Gruppe steht der Hamburger SV (mit dem jungen Uwe Seeler in seinen Reihen) am Ende vorn.

18. Mai 1958: Es wird der Tag des Berni Klodt. Im Hannoveraner Niedersachsen-Stadion sehen 80 000 Zuschauer eine von Anfang an stürmende Schalker Mannschaft. Durch zwei Klodt-Treffer heißt es bereits zur Halbzeit 2:0. Nach der Pause erhöht Manni Kreuz auf 3:0. Der hohe Favorit aus Hamburg wird geschlagen - Schalke ist zum siebten Mal Deutscher Meister.

Die Rückkehr nach Gelsenkirchen wird zu einem einzigen Triumphzug. Zwei Brauereien spendieren Freibier, das Regionalfernsehen überträgt live, eine Kneipe wird direkt nach dem Endspiel blau-weiß angestrichen. Berni Klodts Haus wird von oben bis unten mit Girlanden geschmückt. 50 000 Schalker feiern auf dem Bahnhofsvorplatz, ca. 300 000 Menschen geleiten die Schalker Mannschaft zur Feier am Hauptbahnhof.

Ernst Kuzorra kommentiert den ersten Meistertitel nach 18 Jahren Pause auf seine unnachahmliche Art und Weise: "So haben sie uns 1942 nicht empfangen.".

International


Sommer 1996. Alles wartet auf die UEFA-Cup-Auslosung. Endlich ist Schalke wieder dabei in Europa. Endlich! Denn das letzte Mal, das ist verdammt lange her. Vor knapp 40 Jahren gab es die ersten blau-weißen Auftritte auf internationalem Parkett. Nach der Deutschen Meisterschaft 1958 spielten die Knappen zum ersten und bisher auch einzigen Mal im Europapokal der Landesmeister. Und wie sie spielten!

1958

Der siebte Meistertitel bedeutet nicht nur, daß die Knappen den Rekord des Club aus Nürnberg einstellen. Nein, er bedeutet viel mehr. Denn am 26. August ist es soweit: Beim dänischen Meister Kopenhagen BK haben die Knappen ihren ersten internationalen Auftritt.

Erst vier Jahre zuvor hatte die Europäische Fußball-Union die sogenannten Europapokal-Spiele eingeführt. Zu dieser Zeit ist die Champions League noch weit weg. Stattdessen gibt es einen einfachen Vergleich mit K.O.-System in Hin- und Rückspiel.

Aber der Premiere erster Teil geht ziemlich in die Hose. Mit einem 0:3 im Gepäck fährt man wieder nach Hause. Drei Wochen später, am 17. September 1958, kommt es in der Glückauf-Kampfbahn zum Rückspiel gegen die Dänen. Durch zwei Treffer von Berni Klodt führen die Blauen bereits zur Pause mit 2:0. Die Aufholjagd hat begonnen.

Unmittelbar nach dem Wiederanstoß erzielt Manfred Sadlowski das 3:0. Alles ist wieder offen. Zwei Andersen-Treffer in der 54. und 68. Minute sorgen dann dafür, daß plötzlich die Dänen wieder die besseren Karten haben. Doch ein Doppelschlag von Hans Nowak und Günter Brocker in der 71. und 72. Minute sorgt für die 5:2-Führung - und dabei bleibt es.

Zum Glück kommt die UEFA erst Jahre später auf die Idee, bei Torgleichheit die auswärts erzielten Tore höher zu bewerten. 1958 bedeutet Torgleichheit noch ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz. Beide Teams sehen sich also am 1. Oktober in Enschede wieder.

Nach einer torlosen ersten Hälfte schießen Günter Siebert (57.), Hans Nowak (66.) und Berni Klodt (86.) einen beruhigenden 3:0-Vorsprung heraus, bevor Krahmer für die Kopenhagener in der Schlußminute den Ehrentreffer zum 1:3-Endstand erzielt. Mit viel Glück haben die Knappen die zweite Runde im Europapokal erreicht.

Die Auslosung zur zweiten Pokalrunde führt die Schalker zunächst auf die Insel. Mit dem englischen Meister Wolverhampton Wanderers erhalten die Knappen einen schweren Brocken zugelost. In den Reihen der Engländer steht zum Beispiel auch der Kapitän der Nationalmannschaft, Billy Wright.

Im Hinspiel am 12. November trotzen die Schalker den favorisierten Engländern ein 2:2 ab. Günter Siebert sorgt in der 23. Minute für die Schalker Führung, die auch das Halbzeitergebnis bedeutet. Broadbent erzielt zwar in der zweiten Hälfte Ausgleich und Führungstreffer für Wolverhampton, doch Willi Koslowski sorgt zwei Minuten vor Schluß für das vielumjubelte Unentschieden.

43 000 Zuschauer in der völlig überfüllten Glückauf-Kampfbahn sind sechs Tage später beim Rückspiel gegen die Engländer völlig aus dem Häuschen, als Heiner Kördell und Günter Siebert eine 2:0-Halbzeitführung herausschießen.

Bereits in der 48. Minute sorgt Jackson jedoch für das 1:2. Dann beginnt die Abwehrschlacht. Doch die blau-weiße Verteidigung läßt keinen weiteren Gegentreffer mehr zu - das Viertelfinale ist erreicht. Noch nie war eine deutsche Mannschaft im Europapokal so weit gekommen.

In den Spielen der Oberliga haben die Knappen dagegen ihre Probleme. Offensichtlich konzentrieren sich die Spieler auf den Europapokal und lassen im Liga-Betrieb die Zügel schleifen.

Dabei fängt in der Oberliga zunächst alles prima an: Nach einem ordentlichen Saisonauftakt kommt es am 12. Oktober im Stadion Rote Erde wieder zum Revierderby gegen den BVB (damaliger BVB-Trainer: Max Merkel). Obwohl die Knappen mit Brocker, Sadlowski, Laszig, Soya und Borutta fünf Stammspieler ersetzen müssen, fahren sie einen überlegenen 3:1-Sieg ein.

Bereits nach 25 Minuten steht das Endergebnis fest. Die frühe Dortmunder Führung durch Cieslarczyk aus der zweiten Minute gleicht Jagielski bereits sechs Minuten später aus. Ein Doppelschlag von Günter Siebert und Heiner Kördell in der 23. und 25. Minute sorgt für den Sieg

Danach aber folgt eine Serie von Auswärtspleiten. Nacheinander verlieren die Knappen bei Alemannia Aachen (1:2), SV Sodingen (2:3) und Fortuna Düsseldorf (4:5). Ergebnis ist am Ende der Hinrunde ein Platz im hinteren Mittelfeld.

1959

Nach zwei weiteren Niederlagen zu Beginn der Rückrunde bei Preußen Münster und in Herne können die Schalker das Thema "Oberliga-Meisterschaft" endgültig abhaken. Im Pokal überstehen sie wie schon in den Jahren zuvor die regionalen Runden nicht.

Im Europapokal wartet der nächste dicke Brocken: Atletico Madrid. Am 4. März laufen die Knappen in Madrid vor 110 000 Zuschauern auf. Es ist bis heute die größte Kulisse, vor der jemals eine Schalker Mannschaft spielte. Bis zur Pause können die Knappen beim spanischen Traditionsklub noch ein 0:0 halten, dann aber kommt es knüppeldick. Drei Minuten nach Wiederanpfiff bringt Vava die Spanier in Führung, in der 60. Minute sieht Borutta die Rote Karte. Miguel in der 73. Minute und Peiro mit dem Schlußpfiff erhöhen auf 3:0.

Im Rückspiel am 18. März wollen die Schalker dann das Unmögliche möglich machen. Schließlich hatte man schon in der ersten Runde ein 0:3 gegen Kopenhagen BK wieder aufgeholt. Und scheinbar passiert wieder ein Wunder. Schon nach 45 Sekunden können die 43 000 Zuschauer in der Glückauf-Kampfbahn zum ersten Mal jubeln. Hans Nowak vollendet den ersten Angriff zum 1:0

Trotzdem bleibt das zweite Wunder aus. Die Spanier beschränken sich fast während des gesamten Spiels auf die Verteidigung des Hinspiel-Ergebnisses. Hinzu kommt, daß Madrids Keeper Pazos einen Weltklasse-Tag erwischt hat.

Nach neunzig Minuten blau-weißer Überlegenheit, aber ohne weiteres Tor, kommt in der Schlußminute sogar noch die kalte Dusche. Madrids brasilianischer Stürmerstar Vava versenkt einen der wenigen Konter zum 1:1-Ausgleich ins Netz. Das Viertelfinale ist somit das Ende der blau-weißen Träume. Noch lange nach Spielschluß aber werden die Königsblauen von den Zuschauern gefeiert.

Am Ende der Oberliga-Saison belegen die Knappen bei 16 Mannschaften nur Platz 11. Damit sind alle weiteren internationalen Träume vorerst ausgeträumt. Traumhaft war allenfalls noch Hans Nowaks Auftritt am 21. Spieltag. Beim 5:1 gegen die STV Horst-Emscher am 8. Februar erzielt er alle fünf Schalker Treffer.

Im Herbst kommt es wieder zum Revierderby. In der Vorsaison hatte der BVB die Knappen in der Glückauf-Kampfbahn mit 5:1 geschlagen. Am 20. September stehen sich beide wieder in Gelsenkirchen gegenüber.

Helmut Jagielski und zweimal Willi Koslowski sorgen für die 3:0-Pausenführung. Hans Nowak erhöht in der 57. Minute auf 4:0, Karl Borutta sorgt in der 69. Minute für den 5:0-Endstand.

Trainer Edi Frühwirth verläßt den Verein. Noch Jahre später schwärmen viele Spieler vom Meistertrainer aus Österreich. Kommentar Ernst Kuzorra: "Wir hatten aber genug Wiener Schnitzel gefressen."

1960

Die Oberliga-Saison beenden die Knappen mit einem achtbaren vierten Platz. Erst die schlechte Serie zum Saisonausklang (nur ein Sieg in zehn Spielen) verhindert eine bessere Plazierung.

Im Sommer wechselt Willi Schulz von Union Günnigfeld an den Schalker Markt. Der 22jährige Mittelläufer hatte bereits im Jahr zuvor sein erstes Länderspiel absolviert, 22 weitere internationale Auftritte kommen während seiner königsblauen Zeit dazu.

1961

Die Oberliga-Saison schließen die Schalker mit einem undankbaren dritten Platz ab - wieder keine Teilnahme an den Spielen um die Meisterschaft. Auch im Pokal ist der Regionalwettbewerb erneut Endstation Mit Hans Nowak beruft Sepp Herberger beim Länderspiel gegen Dänemark den nächsten Schalker in die Nationalelf.

1962

Mit einem furiosen Schlußspurt sichern sich die Schalker die Vize-Meisterschaft in der Oberliga West. Drei Heimsiege gegen Borussia Dortmund, den 1.FC Köln und Borussia Mönchengladbach sowie der Auswärtssieg bei Viktoria Köln sorgen am Ende der Saison dafür, daß die Königsblauen endlich wieder an den Gruppenspielen um die Deutsche Meisterschaft teilnehmen dürfen.

Am 18. April geht es in der Qualifikation gegen Werder Bremen. Vor 63 000 Zuschauern im Niedersachsen-Stadion in Hannover sieht es bis kurz vor Schluß nach einem 1:0-Sieg durch das Tor von Werner Ipta aus der 53. Minute aus. Doch mit dem Schlußpfiff erzielt Schütz den Ausgleich für die Hanseaten - Verlängerung. Hier lassen die Blauen jedoch nichts mehr anbrennen. Koslowski, Asmy und Berni Klodt schießen bereits in der ersten Hälfte der Verlängerung den 4:1-Endstand heraus.

In den Gruppenspielen ist Borussia Neunkirchen der erste Gegner. Dörrenbacher und Ringel bringen die Saarländer (im BVB-Stadion Rote Erde!) mit 2:0 in Führung. Asmy und zweimal Waldemar Gerhardt können den Spieß jedoch noch umdrehen. Nach dem 1:1 im zweiten Spiel gegen Tasmania Berlin kommt es am letzten Spieltag zum entscheidenden Spiel. Und wieder mal ist der Club aus Nürnberg der Gegner. Koslowski bringt die Schalker zwar schon nach 10 Minuten in Führung, doch Max Morlock und Flachenecker beenden alle Schalker Träume. Die Gruppenspiele sind somit Endstation.

Bei der Weltmeisterschaft in Chile stehen drei Schalker im Nationalkader. Willi Schulz, Hans Nowak und Willi Koslowski vertreten Blau-Weiß in Südamerika.

Auch im DFB-Pokal überstehen die Schalker zum ersten Mal nach sieben Jahren wieder den Regionalwettbewerb. Holstein Kiel heißt der Gegner in der 1. Runde, die auch fast die letzte Runde für die Schalker ist. Bis kurz vor Schluß führen die Kieler Störche durch drei Treffer von Galle mit 3:2. Erst in den Schlußminuten sorgt Waldemar Gerhardt mit seinen beiden Treffern für den glücklichen Schalker Erfolg.

Auch gegen 1860 München liegen die Knappen in der zweiten Runde schnell mit 0:2 hinten, doch Rodekamp, Ipta und zweimal Gerhardt schießen die Schalker ins Halbfinale. Die Düsseldorfer Fortuna beendet dort jedoch alle königsblauen Pokalhoffnungen. Mit 2:3 streichen die Blauen die Segel.

Am 18. August wird die letzte Oberliga-Saison angepfiffen. In den Reihen der Schalker steht ein 18jähriger an der rechten Außenlinie, der später für Furore sorgen wird - Stan Libuda.

1963

Die Bundesliga naht. Auf seinem Bundestag beschließt der DFB die Einführung einer zentralen Spielklasse. Neben der sportlichen Qualifikation gelten folgende Kriterien: Stadion mit mindestens 35 000 Plätzen, eine Flutlichtanlage, Jahresumsatz mindestens 300 000 Mark, Betriebsvermögen 200 000 Mark. Für die sportliche Qualifikation werden die Ergebnisse der letzten 13 Jahre gewertet. Schalke (am Ende der letzten Saison Tabellensechster) qualifiziert sich ohne Probleme für die neue Liga.

Die Finanzlage vieler Vereine ist jedoch bedenklich. Zum ersten Mal sorgen Gehälter und Ablösesummen für Finanzlöcher. Der Kölner Karl-Heinz Schnellinger und der Dortmunder Jürgen Schütz werden mit für deutsche Verhältnisse astronomischen Gehältern nach Italien gelockt. Aber auch für die Zurückgebliebenen steigen die Preise.

Mit einem Freundschaftsspiel gegen Brasiliens Meister FC Santos (1:2) am 2. Juni versuchen die Schalker, Geld in die Kasse zu bekommen. Das Spiel wird in Essen ausgetragen und beschert den Knappen aufgrund der geringen Resonanz (nur 15 000 Besucher) weitere 70 000 Mark Miese.

Eine Woche später findet das Abschiedsspiel für Berni Klodt statt. Gegen die bulgarische Nationalmannschaft steht es am Ende 1:0.

Und dann war da noch ein Spieler namens Reinhard "Stan" Libuda. Der einzige Mensch, der jemals an Jesus vorbeikam, debütiert als 19jähriger gegen die Türkei in der Nationalmannschaft.Auch für Schalke gehen 16 Jahre Oberliga zu Ende - nach 468 Spielen, 224 Siegen und 986 Toren. Zweimal wurden die Knappen Oberliga-Meister und dreimal Vizemeister. Berni Klodt (330 Spiele) und Paul Matzkowski (212 Auftritte) trugen am häufigsten die königsblauen Farben. Mit 129 Treffern ist Berni Klodt am Ende erfolgreichster Schalker Torschütze.

Am 24. August beginnt die neue Ära. In der Glückauf-Kampfbahn läuft vor 28 000 Zuschauern folgende Elf zum ersten Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart auf:

Horst Mühlmann

Hans Nowak

Hans-Jürgen Becher

Willi Schulz

Egon Horst

Manni Kreuz

Willi 'Schwatte' Koslowski

Karl-Heinz Bechmann

Günter Hermann

Waldemar Gerhardt

Stan Libuda


Mit einem 2:0 beginnt Schalkes Bundesliga-Geschichte.

 

Schalker Glanzzeit: Lauter Siege oder Sieg Heil?


Sechs von sieben Titeln errangen die Schalker zwischen 1934 und 1942. Die Glanzzeit des Vereins fiel in die glanzloseste Deutschlands. Ein historischer Zufall oder ließen sich die Knappen mißbrauchen? Über 50 Jahre danach fällt eine eindeutige Beurteilung schwer. Zu lange war das Thema ein Tabu.

Juli 1940. Über 70 000 Menschen füllen das Berliner Olympiastadion. Euphorie und gespannte Erwartung liegen über dem weiten Rund.

Eines der ganz großen Spiele soll es werden, ein Fußballfest. Schalke 04 spielt um seine fünfte deutsche Meisterschaft gegen den traditionsreichen Dresdener SC.

Die beiden Mannschaften haben sich nebenan auf dem Reichssportfeld warmgelaufen und betreten unter großem Jubel die mit Hakenkreuzen ausgeflaggte Arena, in der vier Jahre zuvor der farbige US-Sprinter Jesse Owens seine legendären Olympiasiege feierte.

Juli 1940. 1500 Kilometer weiter westlich. Deutsche Wehr-macht und SS-Verbände säubern in Paris nach dem Blitzkrieg gegen Frankreich den Widerstand, unterdrücken die Bevölkerung. Norwegen, Dänemark, Belgien, Holland und Polen sind besetzt. Tausenden haben die deutschen Kriegsüberfälle das Leben gekostet. Die Ausrottung der Juden ist in vollem Gange.

In Oslo, Brest, Antwerpen und Warschau knistert der Volksempfänger. Überall sitzen deutsche Landser in Bunkern und Unterständen und verfolgen die Übertragung aus dem Olympiastadion der Reichshauptstadt Berlin.

Im weiten Rund der Arena ist vom Krieg nichts zu spüren. Die Spieler machen vor der Reichssportführung den Hitlergruß, und das Rundfunkorchester wird die Bilder für die Wochenschau musikalisch unterlegen. Schalke gewinnt 1:0 und erringt zum fünften Mal die Viktoria in einem der schwächsten Endspiele der letzten Jahre.

Die erfolgreichsten Zeiten des Ruhrgebietsclubs fielen in die Jahre des NS-Regimes. Sechsmal fuhren die Knappen mit der Viktoria unterm Arm zurück zum Schalker Markt. Und dennoch: Den Schalker Höhenflug als einseitige Bevorzugung und Förderung seitens der Nationalsozialisten abzutun, wäre zu einfach und falsch.

Was sagte Kuzorra wirklich?

Die Mannschaft erreichte ihre größte spielerische Reife in diesen Jahren. Aber sie stellte sich dem Regime auch nicht kritisch gegenüber. Kuzorra wird mit dem Satz zitiert:" Wir wollten Fußball spielen, mit was anderem wollten wir nichts zu schaffen haben. Politik und Religion spielten bei uns überhaupt keine Rolle."

Aber auch die folgenden faschistoiden Aussagen von 1936 sollen von Ernst Kuzorra, dem populärsten Spieler dieser Jahre, stammen:

"Man hat manchmal gefragt, warum gerade eine Arbeitermannschaft aus dem Industrieort Schalke den höchsten Ruhmestitel, den der deutsche Fußball zu vergeben hat, errang.

Arbeiter aber, meine ich, ist ein stolzes Wort. Gerade hier im Gebiet, und Gott sei Dank heute überhaupt wieder in Deutschland.!

Jeder Deutscher der seine Pflicht tut, sei es an höchster, sei es an geringster Stelle, ist in dem neuen, weiten, echten Sinne des Wortes ein 'Arbeiter'. Der studierende Mensch ist noch zu sehr der Fragende, um die antwortfrohe Entschlossenheit aufzubringen, auf die es im Sport, wie nebenbei auf anderen Gebieten, zum Beispiel der Politik - welchen Beweis liefert hier allein schon Adolf Hitler - vielleicht zu allererst ankommt."

Und sein Schwager Fritz Szepan wird von den gleichen Autoren anläßlich der Fußballweltmeisterschaft 1934 in Italien zitiert: "Für uns, ganz besonders für mich, kam nun ein unvergeßlicher Augenblick: Ich stand vor Mussolini, Auge in Auge mit dem Duce, oben wehten die Fahnen des Reiches. Das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied schwang über den Platz. In dieser Stunde! Versteht ihr, daß das ans Herz geht?"

Waren also die berühmtesten Schalker aller Zeiten den Nationalsozialisten doch näher verbunden, waren sie Nazis?

Der Schalke-Experte Hans-Dieter Baroth meldet dagegen massive Zweifel an: "Der Sprachduktus und der klare Satzbau Ernst Kuzorras irritieren. Der sprach doch nie so. Die Fußballstars von damals und heute erzählten den Journalisten in langen Gesprächen ihr Leben, die Autoren gossen das Erzählte in eine journalistische Fassung. Da könnte Kuzorra Einiges in den Mund gelegt worden sein."

Und so auch Fritz Szepan. Auch die ablehnende Haltung Kuzorras gegenüber dem Reichstrainer Dr. Otto Nerz spricht gegen die Vermutung, daß der Arbeiterkicker Anhänger arischen Gedankengutes war.

Sicher ist, daß die NS-Sportfunktionäre dem Club keine größeren Steine in den Weg legten. Schalke war immer in bürgerlichen Sportverbänden organisiert und gehörte nie dem linken "Arbeiter Turner u. Sportbund" (ATSB) oder ähnlichen Verbänden an, die später verboten wurden.

Die Herren im Vorstand und der Zeche waren keine ausgesprochenen Gegner der Nationalsozialisten. Man paßte sich halt der Situation an und verlegte sich ins Unpolitische.

Viele Arbeitersportler des ATSB wurden damals zum Übertritt in DFB-Vereine gedrängt. Sie hatten die Wahl zwischen einem Wechsel auf der einen, oder Repressionen auf der anderen Seite - falls sie das Fußballspielen nicht ganz einstellten.

Schalker Spieler standen nie vor solchen Problemen. Die Absichten der NS-Machthaber waren subtil. Die Blau-Weißen sind ein Beispiel dafür, welchen Einfluß konservativ-bürgerliche Kräfte durch die Verbände wie den DFB, und die Vereinsvorstände auf große Teile der einfachen Arbeiter ausübte.


Die Meister im Dritten Reich:


1933: Fortuna Düsseldorf (3:0 gegen Schalke 04)
1934: Schalke 04 (2:1 gegen 1.FC Nürnberg)
1935: Schalke 04 (6:4 gegen VfB Stuttgart)
1936: 1.FC Nürnberg (2:1 gegen Fortuna Düsseldorf)
1937: Schalke 04 (2:0 gegen 1FC Nürnberg)
1938: Hannover 96 (4:3 gegen Schalke 04 Wiederholungsspiel)
1939: Schalke 04 (9:0 gegen Admira Wien)
1940: Schalke 04 (1:0 gegen Dresdener SC)
1941: Rapid Wien (4:3 gegen Schalke 04)
1942: Schalke 04 (2:0 gegen Vienna Wien)
1943: Dresdener SC (3:0 gegen Saarbrücken)
1944: Dresdener SC (4:0 gegen LSV Hamburg)


Opium für das Volk

Vordergründig wurde der Fußball entpolitisiert um als "Opium für das Volk" zu dienen. Hintergründig nutzte aber der Staat die fußballspezifischen Eigenschaften Kampfkraft und Teamgeist propagandistisch aus, stellte sie als typisch arische Tugenden dar und wollte so die Identifikation zwischen Fußballanhängern und Nazidiktatur steigern.

Indem der Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten den Übertritt von ATSB-Sportlern bewußt leicht machte, beabsichtigten die Nazis auch die linksorientierte Arbeiterschaft mit Hilfe des Fußballs stärker an das Regime zu binden.

Die übergetretenen Spieler versuchten oft, auf sportlichem Weg ihren Gegnern die Stirn zu bieten, um ihre persönliche Opposition weiterzuführen.

In dem Maße, wie nach und nach vom ATSB über die kommunistische "Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit" (RS) bis zur katholischen Deutschen Jugendkraft (DJK) alle Sportverbände nach der Machtergreifung ausgeschaltet wurden, biederte sich der DFB den Nazispitzen an und schaltete sich quasi selber gleich. Der DFB existierte als Fachamt Fußball im Reichsausschuß für Leibesübungen weiter. Bezeichnenderweise war der damalige DFB-Präsident Felix Linnemann SS-Obersturmbannführer.

Der Höhepunkt jeder Fußballsaison war natürlich das seit 1937 immer im Olympiastadion stattfindende Endspiel in Berlin.

Die Nazis pflegten diese Finals bombastisch zu inszenieren und als arische Fußballfeste zu feiern. So wurden heroische Siege, wie der sensationelle 9:0-Erfolg Schalkes gegen Admira Wien um die erste großdeutsche Fußballmeisterschaft 1939 nach dem Anschluß Österreichs gerne gesehen. Erst recht, weil große Siege deutscher Fußballarbeiter gegen Wiener Intelektuellenkicker die Euphorie und das Gefühl der Unbesiegbarkeit noch steigerte. Der 9:0-Erfolg gegen Admira Wien war Wiedergutmachung für das vermutlich geschobene Endspiel ein Jahr zuvor gegen Hannover 96.

Damals unterlagen die Schalker an gleicher Stelle nach merkwürdigen Schiedsrichterentscheidungen 3:4 gegen die Niedersachsen. "Es mußte mal eine andere Mannschaft Deutscher Meister werden, sonst wäre es langweilig geworden.

Die anderen haben ja schon richtig Angst ins Endspiel zu gehen, weil sie ja doch von Schalke geschlagen werden", sagte von Tschammer und Osten abends auf dem Bankett.

Daraus darf resümiert werden: Die Nazis griffen in den Spielbetrieb ein und die Mannschaften waren in diesen Situationen hilflose Marionetten.

Den deutschen Vereinen erging es besser als den Wiener Fußballclubs, die alle gleichgeschaltet wurden. Der jüdische Fußballclub Hakoa Wien wurde direkt verboten und zerschlagen, die Mitglieder verfolgt.

Der "Gentleman"-Club Austria Wien, ein großbürgerlicher Intellektuellenverein mit ebenfalls vielen jüdischen Mitgliedern, wurde von den Nazis übernommen und weitergeführt.

Mit Rapid Wien verfuhren die Nationalsozialisten im Prinzip ähnlich wie mit Schalke 04. Sie instrumentalisierten Rapid als gutbürgerlichen Arbeiterverein, um die linke Arbeiterschaft über den Fußball zu kontrollieren.

Bei Fehlverhalten Fronteinsatz

Aber nach der 3:4-Niederlage Schalkes 1941 gegen Rapid im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft (am Tag des deutschen Überfalls auf Rußland) wurden aus Rache die besten Spieler Rapids, unter anderem der dreifache Torschütze Franz "Bimbo" Binder in den Krieg an die Front geschickt.

Binders Sohn Franz, bis vor kurzem Rapid-Manager, bemühte sich 1991 beim damaligen Schalke-Manager Rolf Rüßmann anläßlich des 50. Jahrestages, des von allen als großartig und historisch angesehenen Endspiels um ein Jubiläumsspiel beider Mannschaften. Aber Rolf Rüßmann ging auf diese Idee nicht ein. Warum nicht ?

Liegt es daran, daß sich die Schalker auch in diesem Endspiel geschoben fühlten? Denn im Gegensatz zu den Wienern, die ihren Sieg als gerecht empfanden, lasteten die Knappen ihre Niederlage dem Schiedsrichter an. Er hätte durch falsche Elfmeter- Entscheidungen den Rapid-Spielern den Sieg ermöglicht. Schalke fühlte sich betrogen. Deshalb verweigerte Kuzorra die obligaten Ehrennadeln.

Die Schalker Spieler wurden im Kriegsdienst im Vergleich zu den Wiener Kickern bevorzugt behandelt. Waren die Leistungsträger der "Ostmark", so hieß der Spielbezirk, an den Fronten in ganz Europa zerstreut und so die Meisterschaftsrunden eine Farce, so lief der Spielbetrieb im "Altreich" und bei Schalke etwas geordneter ab.

Kuzorra und Szepan waren Feldwebel bei einer Flakeinheit für Katastropheneinsätze in Essen-Kray. Die Freistellungen wurden anfangs großzügig gewährt, und waren sogar ab 1942 nicht unmöglich. Die meisten Spieler standen zumindest bei Beginn des Krieges in Garnisonen in Mühlheim und Münster. Anfangs hatten sie an den Wochenenden Urlaub, um für die Knappen zu kicken. Unter der Woche verstärkten sie oft die Soldatenmannschaften.

Aber auch Schalker Spieler kamen im Krieg ums Leben. Urban und Bernhard "Natz" Füller, eines der größten Fußballtalente, fielen im Krieg, Tibulski wurde verwundet.


Literaturtips

Bücher, die sich mit Schalke und dem Fußball auch zu Zeiten des Dritten Reichs befassen und auf die der Autor zurückgegriffen hat:

Die Königsblauen
von Wilhelm Herbert Koch, erschienen im Droste-Verlag

Der gezähmte Fußball
von Dietrich Schulze-Marmeling erschienen im Verlag ´Die Werkstatt´

Fußball, Verein, Politik - zur Sozialgeschichte des Reviers 1900 - 1940,
Essen 1988

 

 

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